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Brigitte
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Freitag 11. November 2011, 02:57

Hallo,
was mich persönlich beschäftigt, ist folgendes:

Nicht nur jenes von mir erwähntes Jagdvorfalles, sondern durch die hier in meiner Wohngegend allgemein krassen Gegensätze im Umgang mit Tieren. Angefangen bei den Hunden, es gibt hier kein Haus in welchem nicht mindestens ein Hund gehalten wird. Dagegen wäre auch nichts einzuwenden, wenn all diese Hunde nicht nur als Garnitur oder für die Jagd gehalten würden. An Ketten angebunden, in Hof, Zwingern eingesperrt oder wenn freilaufend nur im Garten. Völlig verfettet infolge Bewegungsmangel und die einzige Abwechslung für die Einen, entweder durch mich mit meinen Hunden oder für die Jagd. Aber mir waren bis anhin noch nie solch verfettete Jagdhunde wie hier in F begegnet, die so nach Atem ringend und völlig erschöpft einem Wildschwein weit hinterher hechelten.

Ich wusste im jenem Augenblick nicht mal ob ich mit dem Wildschwein oder doch eher mit den Hunden Mitleid haben sollte.
Andererseits freuen sich die Leute über meine Hunde so überschwänglich durch unsere Aktivität und Vitalität, aber selber machen sie nichts.

Auch freute es mich anfangs für all das Vieh, Schweine, Pferde, Gänse und Enten, welche auf den riesigen Weiden gehalten werden. Aber auch da erlebte ich in der Zwischenzeit so manche traurige Missstände. Z.B. verendete Rinder welche tagelang in der heissen Sonne auf der Weide liegen blieben, ebenso auch Gänse, Enten und Schweine. Gänse und Enten, welche das traurige Schicksal erleiden müssen in den Hallen gestopft zu werden und jene welche diese Prozedur nicht überleben regelmässig zu Bergen gestapelt tot vor den Ställen liegend, sehen zu müssen.

Mir verging der Appetit auf Fleisch für etliche Zeit auch wieder einmal mehr, als zur gleichen Zeit am falschen Ort und dadurch Zeuge einer Hausschlachtung eines Schweines sein zu müssen, wie dieses hier gehändelt wurde.

Offen gesagt, habe ich mir mein neues Leben in F bzgl. Tiere demnach etwas naiv vorgestellt oder die falsche Wohngegend ausgesucht und hoffe, dass auch ein solches Thema in diesem Frankreich-Info Forum seinen Platz haben darf.

Nächtliche Grüsse - Brigitte
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Lennie
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Freitag 11. November 2011, 09:49

@ Brigitte: Und das, was du tatsächlich zu sehen bekommst, ist nur die Spitze des Eisbergs.... Ich persönlich esse schon lange nur noch äußerst selten Fleisch. "Spezialitäten" der gastronomie française, wie foie gras etc. niemals.

Das Phänomen an sich ist allerdings kein speziell französisches, ähnliches findet überall statt. Offiziell sind Tiere nach wie vor Sachen. Alles andere blenden wir aus unserem Bewusstsein besser aus. Den Menschen ist der Respekt vor dem Leben abhanden gekommen - falls sie ihn je besessen haben.
Was kann man anderes erwarten von einer "Turbozivilisation", in der es nur um immer mehr in immer kürzerer Zeit geht. Ohne Rücksicht auf Verluste.
Wie sagt man so schön: Après nous le déluge, n'est-ce pas....

Mitfühlende Grüße, Lennie
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Amadeus
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Dienstag 13. Dezember 2011, 12:30

Guten Morgen Brigitte, ich bin nicht so sehr aktiv, daher sehe ich Deinen Text erst heute. Ja, wie schon der 2. Kommentar sagt, ist es ein Elend in das man kaum "generell" Einfluss wird nehmen können, aber es gibt Möglickeiten im Kleinen was zu tun. Ich habe eine persönliche "Aktionsliste".

1. Offenkundig - Misshandlung - AlarmFall: ich werde tätig. Mairie, Gendarmerie Nacionale - SPAs und es gibt eine Reihe von recht aktiven privaten Tierschutz-Vereinen. Effektiv allemal.

2. Das tägliche Drama: siehe meinen 1. Absatz

Hier meine eingebildete Gegen"massnahme", halt ganz klein:

1. Ich halte Tiere. Hühner, Pferde, Pfauen und habe z.B. LaChasse zumindest von meinem Besitz wirksam vertrieben. Ich hätte gar nichts gegen die Jagd, aber nicht die Art Jagd, die ich hier sah. Ich habe einen grossen Teil Land eingezäunt und - man glaube es oder glaube es nicht: Rehe et. al kennen das Refugium.

2. Fleischverzehr: sehr mässig, aber allesamt "importiert". Ich habe zwei Online-Metzger, die mich beliefern und die Qualität ist erstklassig, zumal ich weiss, woher das Ganze stammt. Auf Qualfutter...wie die Gänseleber, verzichte ich ohnehin konsequent, wenngleich mir oftmals der Verzicht schwer fällt.

Dass ich meine Lebensmittel mehrheitlich postalisch beschaffe, liegt an der sehr speziellen Örtlichkeit. In meiner Umgebung, 24, gibt es nichts, was den Preis und die Mühen der Herumfahrerei rechtfertigen würde. Das ist eben der Preis für grosse Abgeschiedenheit und ich nehme das in Kauf.

Nun noch ein Wort zur Kadaverbeseitigung - Du erwähntest das. Ich kann natürlich nur für mein Gebiet sprechen, aber die Entsorgung z.B. eines Rindes, Schafs usw. - ganz zu schweigen vom Pferd, ist eine schlichte Katastrophe. Es können Wochen vergehen, bis der Kadaver abgeholt wird. Für die Reiter unter uns ist das besonders schlimm, da die Mehrheit nicht den Gang ins Schlachthaus antritt, wenn die Zeit reif ist, sondern, was ich natürlich bejahe, einschläfern lässst.

Unter dem Strich aber kann man sagen: es dürfte in puncto Tierhaltung und -behandlung woanders kaum besser hergehen. Daher: siehe oben, versuche ich halt zu tun, was ich kann. Wenig genug.

Lass es Dich nicht verdriessen, keiner kann alles retten und insofern ist es schon gut, wenn man versucht das zu tun, was man schaffen kann.
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Tonton
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Dienstag 13. Dezember 2011, 14:09

Hallo Brigitte !

Ich muss gestehen: ich bin FLEISCHFETISCHIST !
Aber dazu kommen wir später...

[unqualifizierte oder beleidigende Kommentare werden, wie angekündigt, vom Team gelöscht!]

bin ich ein absoluter PROTEINLIEBHABER. ich kann nicht anders !
Ich werde voll nervös, wenn ich kein gutes Stück Fleisch ergattern kann !

Dann nörgel ich rum, bin schlechter Laune und nerve die Nachbarn.

NEIN, das ist keine Sucht, das ist ein Urzeitliches Bedürfnis der Spezeis Mensch, der ich nun mal leider angehöre.
Ich weiss auch nicht, wie Ihr das schafft, mit weniger tierischen Proteinen auszukommen, als ich.
Verschiedene Therorien (wohlgesagt, Theorien, endgültige wissenschaftliche Ergebenisse wohl erst nach dem nächsten Quantensprung in der DNA Forschung zu erwarten) zufolge, könnte es sein, dass es daran liegt, dass ich weniger DNAGenome habe vom Neanderthaler, als Ihr.
Das meine ich gar nicht mal abwertend, sondern einfach nur begründend.
ähnliches habe ich auch schon bei Basken und Portugiesen vermutet.

Der frühzeitliche Neanderthalter soll ja einen Proteinanteil von nur 6( % in seiner (Gesamt-)Nahrungsaufnahme aufgewiesen haben, was eher mässig war, verglichen mit den 74%, welche Homo Sapiens benötigte, um seinen täglichen Kalorienbedarf zu decken (das ist bewiesen).

Deswegen, und auch, wegen meines Heisshungers auf Fleisch, habe ich so meine Therorie,
dass es sein könnte, dass Menschen, welche tierisches Protein verabscheuen, einen höheren DNA Anteil vom Neanderthaler oder Neadertaler (ich bin mir nicht sicher, im Deutschen verwendet man ja meist die Form nur mit de 't', im Französischen und Englischen finde ich meist beide Formen, jedoch wesentlich häufiger mit "th", bitte entschuldige, falls ich mich schlecht ausgedrükt haben sollte).
haben könnten, als "reine " Homo Sapiens, wie ich nun ja einer bin.

Ich bin mir bewusst, dass man einen gewissen Grad benötigt, um dieses Nachvollziehen zu können (bin mir nicht sicher, ob Homo Neanderthalis genauso macht, wie Homo sapiens), aber ich wäre trotzdem für Verständnis dankbar.
Zuletzt geändert von Webmaster am Mittwoch 28. Mai 2014, 09:46, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Entfernung von absolut themenirrelevanten Kommentaren zu anderen Forumsmitgliedern
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Grüsse aus der Südsee !
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Bernd und Heide
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Mittwoch 14. Dezember 2011, 14:28

Amadeus, Dein Vorschlag 1 ist korrekt.
Leider muß ich dazu sagen, aus eigener leidvollen Erfahrung, daß derartige Maßnahmen erhebliche negative Sanktionen nach sich Ziehen (Feuer legen, Kugeln pfeifen ums Haus,
eine Ladung Schrot auf den Kopf, gesellschaftliche Ächtung). Also Vorsicht! Deshalb erleiden wir still die Tierquälereien und sagen nichts mehr (und Handeln schon gleich gar nicht mehr). Da wir hier tief auf dem Lande leben und in Deutschland wars mehr Stadt, haben wir keine Erfahrungen, wie es in D auf dem tiefen Lande zugeht. Zu fürchten ist, daß es nicht anders ist. Ist also alles kein Thema "Französisches Problem", sondern allgemein menschliches, oder?

Salut, Bernd.
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Cevenole
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Mittwoch 14. Dezember 2011, 20:07

Bernd und Heide hat geschrieben: Leider muß ich dazu sagen, aus eigener leidvollen Erfahrung, daß derartige Maßnahmen erhebliche negative Sanktionen nach sich Ziehen (Feuer legen, Kugeln pfeifen ums Haus,
eine Ladung Schrot auf den Kopf, gesellschaftliche Ächtung). Also Vorsicht! Deshalb erleiden wir still die Tierquälereien und sagen nichts mehr (und Handeln schon gleich gar nicht mehr). ....... Ist also alles kein Thema "Französisches Problem", sondern allgemein menschliches, oder?
Salut, Bernd.
Das liest sich zunächst gut, hier hat jemand tiefes Mitgefühl mit der Kreatur, mit unseren Mitgeschöpfen, die Tugend der "compassion", die "pitié" schimmern auf, man ist gerührt, bis man dann auf der Webseite entdeckt, daß mit den "manades" (Stierzuchthöfen) für Stierkämpfe geworben wird (Lokalkolorit), da bricht es einem das Herz, war doch von "stillen Erleiden der Tierquälereien" die Rede.

Nachdenkliche Grüsse
Cevenole
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Brigitte
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Donnerstag 15. Dezember 2011, 01:12

Hallo,

ich wohnte in der Schweiz auch tief auf dem Land. Aber wurde nie mit ähnlichem so offensichtlich konfrontiert wie hier in Frankreich und wie ich nun lesen konnte ist dies leider nicht nur in meinem Wohngebiet so. Ich muss mich wohl oder übel damit abfinden, dass hier auf dem Land die meisten Tiere nicht zur Freude und deren Wohl gehalten werden und dementsprechend mit ihnen umgegangen wird.

Beim Einkauf vertrauen wir deshalb dem Gütesiegel Label Rouge.

Auch kann ich nur schwer verstehen, wenn meinen Hunden so liebevoll begegnet wird, die Eigenen aber mit dem Stock schlägt, kurz ankettet oder irgendwo einsperrt.
Stierkampfarena in Südfrankreich
In Südfrankreich findet man in vielen Kleinstädten und Dörfern eine Stierkampf-Arena. Bei den Stierkämpfen in Frankreich kommen aber höchstens die Stierkämpfer zu Schaden, niemals die Stiere. Diese werden in Frankreich nicht getötet oder verletzt. Die Stiere (sie sind hier viel kleiner, schneller und wilder als in Südspanien) werden auch nur durch die heftig geschwenkten roten Tücher provoziert, aber nicht wie in Spanien mit Spießen und Lanzenstichen in Panik versetzt. Wenn die provozierten Stiere schließlich angreifen, weicht man möglichst knapp und stilvoll aus. Wirklich gute Torreros packen den Stier bei den Hörnern und schwingen sich über ihn - wie beim Bockspringen in deutschen Turnhallen.
(Quelle: http://www.morche-fuerth.de/spantour/mulhouse.htm )

Über solche Texte bin ich schon öfters gestolpert und musste auch erkennen, dass diese falsch sind. Da in nächster Nähe eine Arena ist in welchem die Stiere getötet werden.

Gruss Brigitte
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Lennie
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Donnerstag 15. Dezember 2011, 08:48

Tja, wirkliche Informationen über Stierkampf in Frankreich findet man wohl nicht unbedingt auf romantischen touristisch verbrämten Seiten, sondern eher hier:
http://www.anticorrida.com/

Und da wir schon in Südfrankreich sind (im Land der Sonne und der Lebensfreude...): gleich um die Ecke ist Spanien. Und da findet dieses hier statt:
http://www.levriers.net/

Wir könnten auch noch über Gänseleber sprechen und darüber, wie sie "gemacht" wird (Weihnachten steht ja vor der Tür...) oder über die maltraitierten Straßenkatzen hierselbst, die sowieso niemanden interessieren....

Wir, edle Gestalten, die Krone der Schöpfung, hoch soll'n wir leben, hoch soll'n wir leben, dreimal hoch!
:evil:
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Amadeus
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Donnerstag 15. Dezember 2011, 10:54

Guten Morgen an alle.

Heide und Bernd: Gewiss, das Stellen - wie ich es unter 1) beschrieb, kann Härten haben, aber, bitte nicht falsch verstehen, für meine Person und Besitz bin ich da völlig furchtlos und habe das, ungern aber sehr standhaft, bereits erfolgreich absolviert, mich zu wehren. Seither ist man mit mir, linde gesagt: sehr vorsichtig. Ich halte Tiere, auch Pferde und kenne meine Verletzbarkeiten sehr genau. Ich habe soweit möglich scharfe Vorkehrungen getroffen und bin absolut nicht zimperlich. Ich bin legal und angemessen bewaffnet, ich halte Wachhunde, ich bin körperlich ausreichend in der Lage zu signalisieren, dass man mit mir reden, aber nicht herumkaspern kann. Ich habe ein vollständig eingezäuntes "Territorium".

Sehr wichtig ist bei meinen Reaktionen zu 1): Sie müssen mit Augenmass erfolgen. Man darf nicht in das Extrem verfallen, dass ich oft bei privaten Tierrettungen sehe. Es kommt wirklich darauf an, dass man sich nicht forttragen lässt. Es wird jetzt ein wenig gefährlich, denn das Geschriebene kann ja schnell zu Missverständnissen führen, aber ich versuch es mal: weder bin ich ein hysterischer Tierschützer, der schon losrennt, wenn ein Hund angekettet ist, noch bin ich von der Fraktion der Allesbesserwisser-allesbesserkönner. - Ich sehe mir schon genau an, bevor ich z.B. die Gendarmerie Nacionale in Gang setze - aber: sie kommen und in jedem Fall ging das objektiv auch in Ordnung. Das waren krasse Fälle.

Zum Thema, das sehr zurecht hier auch eingeführt wurde, Stiere: das ist für mich zu gross. Da habe ich nicht nur keine Möglichkeit, da fehlt mir auch inzwischen die psychische Kraft. Da bezahle ich halt an Menschen, die das noch "aushalten", ich kann es nicht mehr, nachdem ich jahrelang Tiertransport-Aktivist war. Mit vollem Körpereinsatz, auf den Autobahnen, in den Verladestationen. Ich musste damit dann nach einigen Jahren aufhören, da ich bemerkte, dass ich daran zugrundegehe oder ins Gefängnis. Je nach dem. So kann ich also bei dem grossen Thema, oben, kaum mitreden, denn da bin ich zu schwach. Wie gesagt, ich zahle tapfer, unterstütze so gut ich kann, lehne aber sogar die news von den von mir alimentierten Gruppen ab, da ich es nicht mehr ertrage.

Ich halte es mit Marc Aurel der sinngemäss wohl sagte, man müsse erkennen wo man wirken kann und das auch tun und ertragen, wo man die Grösse nicht mehr dazu hat. Klingt auch nicht gut - aber so ist meine Haltung.
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gerhardwagner
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Donnerstag 15. Dezember 2011, 15:42

Hallo
Da muss ich doch auch noch eine Geschichte aus meinem sonst so geliebten Land erzählen.
Eigentlich bin ich ja Pazifist und hasse alle Gewalt, aber vor einigen Jahren, von einem Tag auf den anderen, jeden Sonntag die Jäger hier rund ums Hameau. Am Anfang hatte ich noch nichts gesagt, da diese nicht auf meinem Grundstück waren, aber es war schon sehr nervig.
Es hatte sich wohl herumgesprochen, das hier immer morgens die Rehe herumstreunen, also wurden diese Jägermeister immer dreisster. Haus zugeparkt, lärmende Weidmänner mit Schnappspullen und immer mehr verirrte Hunde in der Gegend ums Haus. Also habe ich versucht ein bischen gut zuzureden, auch wegen der Kinder und meines Hundes die gerne auf dem Grundstück sind (grosser Garten und 7000m² Wald. Absolut keine Einsicht der Jägermeister!!!!
Dann eines Sonntagmorgens eskalierte die ganze Sache, denn ich hörte Schüsse gleich nebenan. Ich also schnell in die Pantuschen und raus aufs Gelände. In etwa 25m Entfernung vom Haus vier Jäger auf meinem Land am rumballern. Als ich sie dann vom Land verjagen wollte, kam nur die Anwort (begleitet von viel Alkohol im Atem) "casse toi c......d"!
Das war das erste mal im Leben, das ich so langsam meine Selbskontrolle verlor. Als ich sie dann nochmals mit Worten vertreiben wollte, drohten sie mir mit Prügel, wenn ich nicht schnell verschwinde. Die Wahl war, den Rückzug wie ein nasser Pudel anzutreten oder auf Konfrontationskurs zu gehen, ich entschied, nicht klein beizugeben. Ich ging zu meinem Gartenhaus und hollte unter spöttischem Gelächter eine Mistgabel und sagte, "maintenant, c'est a vous de se casser" und schlug dem ersten die Mistgabel mit voller Wucht hinter die Knie, so das er zu Bogen ging und drückte im die gabel auf die Brust, mit der Androhung, das er gleich einen guten Arzt braucht auf die Brust. Die Stimmung schlug schlagartig um! "Olala copain, calme toi, c'etat pas serieux, calme toi".
Bref, innerhalb von 2 Minuten waren sie verschwunden und nicht mehr gesehen. Manchmal kommen ein paar andere in die Nähe, aber sie halten Abstand zum Haus und Grundstück.
Sicherlich haben 190cm und 110kg auch geholfen, aber man darf sich nicht alles gefallen lassen. Ein Nachbar hatte nachher Angst vor Terror und vorsichtshalber ging ich zur Polizei
um die Geschichte zu erzählen. Ratet mal, wer sich belehren lassen musste und sich wie ein krimineller fühlte!!! Der Flic hatte nicht mal gefragt, nach Autonummern oder sonstiges.
Aber sonst Liebe ich das Land :mrgreen: :mrgreen:
Gruus Gerhard
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Bernd und Heide
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Freitag 16. Dezember 2011, 15:26

Schöne Geschichte, Gerhard, hast Du gut gemacht, aber hast meines Erachtens Glück gehabt. Wie bekannt, vernebelt zuviel Alkohol den Geist, macht die Nerven schwach und die Rage stark. Ich habe schon ein Gewehr vor dem Bauch gehabt, in dem Moment denken die Leute nicht daran, daß sie nachher ins Gefängnis gehen.
Oder sie wiederholen es sich zur Sicherheit immer wieder, daß sogenannte "Jagdunfälle" meist ja nicht bestraft werden.
Traurig.

Salut, Bernd.
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Chou-chou
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Samstag 17. Dezember 2011, 16:50

Vieles von dem kann ich nur bestätigen.
Aber auch einige Pferde im Süden treiben mir regelmäßig Tränen in die Augen.
Ich kenne da ein kleines Tal in der Nähe von Carcassonne. Noch vor zehn Jahren eine unberührte Idylle. Doch die ohnehin karge Vegetation großflächig mit intensiver Pferdehaltung zu verbinden erscheint uns vielleicht als Widerspruch, nur weil sich das Tal in sehr kurzer Zeit unreparabel in eine staubige Wüste verwandelt hat und die klapprigen Tiere nun schutzlos der gnadenlosen Sonne ausgeliefert sind.

Weit gefehlt, von Jahr zu Jahr werden es mehr Pferde und die ganze Gegend ist inzwischen voller Werbung und Wegweiser. Die Touristen stehen Schlange um sich hier billig Reitpferde zu mieten.
Ein gutes Beispiel wie stark auch der "Verbraucher" jeweils an der Tierquälerei beteiligt ist ohne sich dessen bewusst zu sein.

Auf der anderen Seite steht der Züchter, der wahrscheinlich ohne diese Möglichkeit kein eigenes Einkommen hätte. Traditionell ist ja diese Region nicht gerade üppig mit Arbeitsplätzen versehen.
Vielleicht steht er dann manchmal abends zufrieden am Fenster seines neuen Hauses (das m.E. nicht richtig in diese Landschaft passt, aber das ist ein anderes Thema) und freut sich über die vielfältigen PS seines neuen viel zu dicken Autos, das er sich nun leisten kann und bemerkt gar nicht, wie teuer das alles erkauft ist.

Für das Verständnis der fr. Jagd fehlt mir dann aber wahrscheinlich wirklich ein Gen.
Meinen tiefen Respekt Amadeus!

Ich habe mal vor vielen Jahren meinem Sohn ein Bilderbuch geschenkt.
Auf einer Seite zeigt das "Lehrer-Reh" in der Waldschule mit dem Zeigestock auf die Abbildung an der Tafel und spricht zu den "Schüler-Rehkitzen": ...und das ist der Mensch. Was seine Nützlichkeit betrifft, ist er vollkommen überflüssig!

Möglicher Weise hat mich dann dieses Buch stärker geprägt als meinen Sohn.
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Cevenole
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Samstag 17. Dezember 2011, 20:22

Keine Sorge, das Rehkitz fällt nicht weit von Mumm [sprich: "mamm"]! :)
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Amadeus
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Sonntag 18. Dezember 2011, 13:48

Gerhard Wagner: offen gesagt, wundere ich mich, dass da nicht stehenden Fusses eine Verhaftung - Deine - erfolgt ist.

Bitte nicht persönlich nehmen, aber bei der geschilderten Situation, gibt es keinen Rückzug á la begossener Pudel. Es gibt weit wirksamere Mittel, allerdings in einer solchen Situation geht die Eigensicherung vor.

Ehrlich gesagt: ich kann es nicht glauben, dass Du zu körperlicher Gewalt ausgeholt hast - oder ist die Geschichte eine Geschichte? Ich hoffe es im Grunde sehr.

Ich bin neu hier, habe nicht vor unfreundlich zu sein oder provokant, aber was Du da schilderst -Mistgabel in die Kniekehlen usw. ist völlig überzogen.
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Amadeus
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Registriert: Dienstag 29. März 2011, 10:18

Sonntag 18. Dezember 2011, 14:02

Chou-Chou: Die Pferdehaltung, -zucht etc. - Touristenreiten, kurz, das ganze Sammelsurium den der Menschen-Zoo veranstaltet : Es treibt mich immer wieder um, wie unterschiedlich "das Tier" gehalten wird. Die Tiere einen sind wohlversorgt, ja sogar gehätschelt (warum auch nicht!, das darf jeder halten wie er mag), die anderen wären schon froh für Wasser, die Abwesenheit von Schmerz oder Furcht.

Als ich ein kleines Kind war und einmal bitter, bitterst über eine mich furchtbare Entdeckung weinte, sagte mein Vater mir etwas, was mir sehr half. Sinngemäss: ich solle doch mal meine Arme ausbreiten und einen Kreis damit beschreiben. Dann kämen die Hände meiner Familie dazu und der Kreis hätte irgendwann einen bestimmten Radius, innert dessen ich nach Kräften tun sollte - und da würde ich dann auch wirken. Ich habe im Lauf des Lebens den Kreis dann schon gut ausweiten können, aber es bleibt vieles Aussen vor. Wir können es nicht alles richten, aber solange jeder kann und die Kraft hat, seinen Teil (und ein bisschen mehr) zu tun, wird es besser in der Welt. Sei es auf den U-Bahnhöfen, Stichwort Schläger, sei es bei dem von Dir geschilderten Tal. Es gibt in FR eine recht agile Gruppe, Equine Rescue France, - man kann sie rufen. Es gibt eine grosse Anzahl, vor allem englische, Reiter(ei), die sich für alles was Pferde - aber auch Hunde etc. anlangt, sehr engagieren und da sehr wirksam sind.

Am Ende aber ist es eben so, dass von sehr vielen - nicht allen - sehr viele Wünsche (Hund zu Weihnachten, Pferd für die ständig reklamierende Tochter) gehegt werden, die im Grunde keine reale Einschätzung zu sich selbst haben. Ein anständiger Stall macht enorme Arbeit, ein Einstell-Verhältnis ist teuer, der Veterinär ist notfalls sehr teuer und der eigene Verstand muss jeden Tag auf Volllast betrieben werden darin, geht es dem Tier gut, ist getan, was mindestens! getan werden muss - täglich. Qualzucht, Qualhaltung - es ist keine Frage von Moral, das wäre mir viel zu undeutlich in der Definition - es ist eine Frage von schlichter Einhaltung der Goldenen Regel. Nur die und es ginge schon weit, weit besser.

Genug der Philosophie, der Mittagstee ruft irgendwie. Einen schönen vierten Advent an alle.
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gerhardwagner
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Sonntag 18. Dezember 2011, 15:24

Hallo Amadeo
Leider ist es keine Geschichte und ich bin wirklich auch nicht stolz darauf, so reagiert zu haben!!! Wie ich gesagt habe, ich bin ein sehr ruhiger und friedliebender Mensch, aber ich weiss nicht, ob Du so etwas, wie ich und einige andere schon selbst erlebt hast??
Diese Lobby von Jägern ist hier in Frankreich sehr stark vertreten und sehr respektlos und selbstherrlich gegenüber anderen. Das ist genauso, wie mit der Tierhaltung! Versuche mal dagegen was zu unternehmen. SPA, verschliesst sehr oft die Augen, Polizei, auch sehr oft ein Weidgenosse. Association des Chasseurs, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus usw...
Ich habe einen guten Freund der Jäger ist, der aber im Gegensatz zu vielen, die Gesetze und Gebräuche respektiert. Zum Glück sind ja nicht alle so und ich bin auch keiner, der Ihre geliebte Jagdtradition abschaffen will (schön wärs trotzdem :) )
Wie gesagt, vorher wurde alles probiert, um die Probleme aus der Welt zu schaffen, aber im ganzen Hameau hier gibt es insgesamt 12 Kinder, einige Hunde und andere freilaufende Haustiere und wenn dann niemand mehr vors Haus gehen kann, da einem die Kugeln ums Gesicht fliegen, ist der Bogen weit überspannt. Bestimmt war meine Reaktion übertrieben,
aber leider reagieren Behörden bei solchen Sachen fast nicht bis überhaupt nicht, auf jeden Fall so lange nicht, bis mal wieder irgendwo ein Unfall passiert!
PS. da wird dann auch nicht so richtig hart durchgegriffen.
Gruss Gerhard
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Cevenole
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Sonntag 18. Dezember 2011, 20:38

Ohne auf Einzelheiten einzugehen, möchte ich in 2 wesentlichen Punkten widersprechen.

Einmal dürfte die Annahme falsch sein, es sei hinsichtlich der Tierhaltung oder Tierquälerei in Frankreich schlimmer als in Deutschland. Dazu fehlt den meisten der jeweils nationsweite Überblick.
Auch dürften viele von der Stadt in D. aufs Land in F. gezogen sein, vorher also über die ländlichen Verhältnisse in D. nicht informieret gewesen sein. Hinzu kommt, daß das Leben eines Hundes in einer deutschen Stadt auch nicht gerade schön sein kann. Meist besteht es aus 2 Spaziergängen (weniger wegen des Lebens als Hund als Meutewesen,sondern um den Teppich sauber zu halten). Wie viele Hunde sieht man dort mit gesenktem Kopf resigniert
durch die dreckigen Strassen laufen- wo doch Hunde eine so feine Nase haben. Einmal um den Hâuserblock und das war es.

Zweitens ist es in Frankreich so, daß man sich die Kenntnisse über Gesetze und Verordnungen, Rechte und Pflichten von Tierhaltern oder Jägern intensiv, ausdauernd und mit Verstand erarbeiten muß.
Wie überall: es hilft kein Lamentieren und Gezeter, Emotionalität, Empörung, die Annahme, man dürfe selbst Rechtstaßstäbe setzen.

Man muß Kenntnisse haben, zur Not schwarz auf weiß!

Hier hat es schon einmal, wie ich beim Durcharbeiten des Forums gesehen habe, eine Diskussion über die Jagd gegeben, wobei doch recht kenntnislose Behauptungen in den Raum gestellt wurden, anderseits auch auf den Seiten 1 und 2 des link brauchbare
Fakten genant werden:

http://forum.frankreich-info.de/viewtop ... &sk=t&sd=a

Was dort vom grünen Moderator gesagt wird, ist leider falsch:
eine ACCA ist immer kommunal oder greift über 2 Kommunen, ein département hat eine Fédération. Natürlich ist es theoretisch möglich, daß in einem Departement nirgends eine ACCA besteht, was aber in Frankreich nicht zu erwarten ist.

Man hat sich an die richtigen Behörden zu wenden, das ist überall so!

Liegen Verstöße vor greift die Préfecture schnell ein. Manche ACCA ist schon auf der schwarzen Liste: wegen zu vieler Verstöße, Beschwerden, braconnage
. Man kann auch sein Land zur jagdfreien Zone erklären, dazu bedarf es eines Arrêté préfectoral, den man beantragen kann.
Außerdem gibt es den Office national de la Chasse et de la Faune Sauvage, deren
Officiers
man herbeirufen kann.
Man kann sich auch einmal über die Fédération de la Chasse informieren und sich die Gesetzestexte (etwa den Code Rural, den Code Civil, die verschiedenen Arrêtés und Circulaires der zuständigen Ministerien einverleiben.

Da wird so mancher Tierhalter kleinlaut, wenn er sieht, wogegen er selbst alles verstößt.

Hier einmal 2 links:

http://www.cc-baschablais.com/images/chens/12764-2.pdf

http://www.finistere.pref.gouv.fr/B-Dem ... dTexte=816
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Brigitte
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Donnerstag 11. Oktober 2012, 22:20

Hallo,
ich hänge es hier an, da es zum Thema passt.
Für einen Tipp wäre ich sehr dankbar, um nicht irgendwelche negativen Sanktionen nach sich zu Ziehen.

Es handelt sich um einen Hund im Nachbardorf, welcher laut Aussage des Besitzers von einem Auto angefahren wurde. Dabei sein rechtes Fesselbein gebrochen wurde und er nur noch die Pfote auf dem Boden nachschleifen kann. Bis zur Bruchhöhe ist dadurch das Bein nun bis auf die Knochen aufgescheuert und durch den Dreck vereitert.

Ich habe den Halter angesprochen, um mit dem Hund unbedingt zum Tierarzt zu gehen, dieser aber nur mit den Schultern zuckte und meinte, dafür habe er kein Geld.

Es kann und darf doch nicht sein, dass diesem Hund nicht geholfen wird, da man sich hier nicht in Sachen Anderer einmischt. Insbesondere erst recht nicht, als Ausländer.
Am Liebsten würde ich den Hund nehmen und selber in die nächste Klinik mit ihm fahren, aber ob dies eine gute Idee ist?

Gruss, Brigitte
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Tonton
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Freitag 12. Oktober 2012, 03:42

Brigitte hat geschrieben: Ich habe den Halter angesprochen, um mit dem Hund unbedingt zum Tierarzt zu gehen, dieser aber nur mit den Schultern zuckte und meinte, dafür habe er kein Geld.
....
Am Liebsten würde ich den Hund nehmen und selber in die nächste Klinik mit ihm fahren, aber ob dies eine gute Idee ist?
Liebe Brigitte,
Ja natürlich, er hatte doch gesagt, dass er dafür kein Geld hat.
Warum sollte er dann ablehnen, wenn Du die Rechnung übernimmst.

Gruss
von Eurem Lielings-Tonton
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Grüsse aus der Südsee !
jochem
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Wohnort: Lacanau Océan

Samstag 13. Oktober 2012, 17:35

Ich lebe nun schon seit 15 Jahren in Südwest-Frankreich (33) und kann bestätigen, daß Franzosen im Durchschnitt eine brutalere, man kann auch sagen: sachlichere oder weniger emotionale Einstellung zu Tieren haben. Sie sehen eher nicht das Lebewesen, sondern den Nutzen, den das Tier für sie bietet.

Hier hat fast jeder ein Gewehr, und die Ballerei in und außerhalb (!) der Jagdzeiten nervt mich jedesmal, wenn ich meine Radtour mache und Angst um mein Leben haben muß. Bei jeder Nachricht in der Zeitung, daß mal wieder ein Jagdkollege versehentlich erschossen wurde, habe ich klammheimliche Freude (schlimm!), und wenn es einen armen Pilzsammler trifft, tut er mir leid, und ich denke für mich: mal wieder Glück gehabt :D

Zu Tieren: Was mich hier stört, ist nicht der Umgang auf Bauernhöfen, die es nicht gibt, sondern mit den eigenen Tieren:

Nach jeder Saison laufen zahllose Hunde und Katzen herum, die von Touristen vor der Rückfahrt einfach ausgesetzt wurden (wir leben in einer Feriengegend), und das sind nicht nur Franzosen, sondern genauso Deutsche, die das tun :evil:

Wir haben nur ein paar Katzen, aber auch wenn man kein Tierfreund wäre: Wie kann jemand einen Hund oder eine Katze anschaffen (weil das Kind den Wunsch geäußert hat?) und ihn/sie dann dem eigenen Schicksal überlassen? :roll:

Übrigens: wie frankophil muß man sein, um sich aus der Südsee an einem frz. Forum zu beteiligen?
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