Franzosen über die Atomkraft in Frankreich

Für alle Themen, die mit Frankreich in Zusammenhang stehen und die in keines der anderen Foren passen.
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Buehly
Beiträge: 1
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Montag 14. März 2011, 21:29

Hallo,
ich habe mich extra hier angemeldet, weil mir eine Frage auf der Zunge brennt.
Falls ich etwas falsch gemacht habe, sorry. Über die Suchfunktion habe ich nichts zum Thema gefunden.
Jeder weiss sicher über das tragische Unglück in Japan und den eventuell anstehenden GAU der Atomkraftwerke Bescheid.
Unsere Politiker der CDU und FDP haben sich ja angesichts der anstehenden Wahlen schnell von der von ihnen verabschiedeten Laufzeitverlängerung der AKWs abgewendet. (Zu Zeiten nach dem DDR-Fall nannte man solche Leute "Wendehälse")
Ein Argument ist, dass bei Abschaltung der AKWs Atomstrom aus dem Ausland bezogen werden muss. (Anmerkung: Dies ist sachlich falsch)
Von den Politikern werden die Deutschen gerne als die einzigen Kernkraftgegner hingestellt.
Meine Frage: Gerade in Frankreich gibt es sehr viele AKWs. Wie ist gerade angesichts der dramatischen japanischen Ereignisse die Meinung der französischen Bevölkerung? Steht die weiterhin absolut hinter den AKWs oder gibt es auch dort Bedenken über die Sicherheit?
Ich weiss von einzelnen Protesten gegen die Castor-Transporte, aber es ist wenig in den Medien zu lesen.Vielleicht hat jemand mehr Infos!
Buehly
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Lennie
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Montag 14. März 2011, 22:50

Nun, Frankreich ist ein besonderes Land.
Hier gibt es ganz hohe, geheime Schutzwände. Durchsichtig. Die sieht keiner, die reichen aber bis in den Himmel. Heimlich!! Darf keiner wissen. Und die sind auch aus einem ganz geheimen Material. An denen kommt keine böse Atomstrahlung vorbei. Die prallt dran ab, ganz einfach!
Und dreht dann brav ab nach Süden, Richtung Italien. Oder sonstwo hin.
Das war bereits vor 25 Jahren beim Unfall von Tchernobyl so, daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.
Alles andere wäre in einem Land, das zu 80% von Atomstrom lebt und gerade die Steuervergünstigungen für alternative Energien (beispielsweise Sonnenkollektoren für Privathaushalte) wieder abgeschafft hat, auch irgendwie.... :twisted:
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Aperdurus
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Dienstag 15. März 2011, 08:16

Salut,
Les jeunes écologistes appellent à un rassemblement mardi à 13h, place des Terreaux à Lyon.
Mouvement pour « dire non au nucléaire au Japon comme partout ailleurs, et en solidarité avec le peuple japonais ». Il faut dire qu'au Japon la situation est inquiétante dans les centrales nucléaires fragilisées par les tremblements de terre et le tsunami de vendredi. L'Agence de sûreté nucléaire évalue l’incident à hauteur de 5 ou 6 sur une échelle de 7. Cela relance donc le débat sur le nucléaire en France. "Europe Ecologie - Les Verts" demande un référendum sur le sujet.
aus http://www.mlyon.fr/50347-manifestation ... -lyon.html

Es regt sich schon Widerstand. Aber wenn man Internetforen über das Thema anschaut, so sind Argumente für die Atomnutzung weitaus in der Mehrzahl.

Gruß aus der Drôme
Aperdurus
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"Die Drôme, das ist das Zusammentreffen der Alpen und der Provence, deren warmherzigen und duftenden Akzent sie schon besitzt."
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Gero
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Dienstag 15. März 2011, 11:26

Nach Fukushima wird sicherlich auch dort alles Anders. :roll:

Oder wie sagte Einstein so treffend:

„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“
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Uli Wenisch
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Dienstag 15. März 2011, 15:06

Bonjour

Schon seit vielen Jahren gibt es in Frankreich den Dachverband „Réseau Sortir du nucléaire“ (http://www.sortirdunucleaire.org/ ), in der mehr als 870 Organisationen zusammengeschlossen sind, um gegen die Nutzung der Atomkraft in Frankreich zu protestieren. Auch wenn die Öffentlichkeit in Deutschland darüber wenig erfährt, mobilisiert Sortir du nucléaire zu Demonstrationen nicht nur gegen Castor-Transporte, gegen das geplante Atommüll-Endlager in Bure oder gegen den Neubau des EPR in Flamanville in der Normandie, sondern auch gegen die „normalen“ Atomanlagen in ganz Frankreich. Und nicht selten kommen dann auch mal 10 000 Teilnehmer zu so einer „Manifestation“.

Übrigens bietet diese Organisation hervorragendes Info-Material zur Aufklärung und Information der Bevölkerung.

Und auch jetzt organisiert Sortir du nucléaire zusammen mit anderen Umweltorganisationen Mahnwachen in ganz Frankreich zu den Ereignissen von Japan.

Hier in Frankreich berichten die Medien sehr ausführlich über die Nuklear-Katastrophe von Japan. Das war vor einigen Jahren noch ganz anders, auch hier hat ein erstes leichtes Umdenken stattgefunden. Und auch von der Absicht von „Europe Ecologie – Les Verts“ eine Volksabstimmung in Frankreich anzuleiern wird „wohlwollend“ berichtet.

Und persönlich sei angemerkt, dass bei Diskussionen und Gesprächen mit Nachbarn gerade in den letzten Tagen durchaus eine kritischere Haltung zur Atomkraft festzustellen ist.

Daneben gibt es noch eine ganze Reihe von anderen Organisationen, die sich in Frankreich gegen die Atomkraft engagieren, hier eine kleine Auswahl:
- C.R.I.L.A.N (Comité de Reflexion d`Information et de Lutte Nucléaire – http://www.crilan.fr)
- GANVA (Groupe d`actions non-violentes antinucléaires – http://ganva.blogspot.com )
- France Nature Environenement
- Greenpeace France
- …
Also es tut sich, wie Aperdurus schon angemerkt hat, schon etwas bezüglich des Widerstands gegen die Nutzung der Atomenergie in Frankreich.

Lennie: Nach wie vor gibt es in Frankreich Steuervergünstigungen für Solarthermie und Photovoltaik. Allerdings will man diese, wie in Deutschland, kürzen.

Sonnige Grüße aus einem heute sehr verregneten Dep. Aude
Uli Wenisch
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Lennie
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Dienstag 15. März 2011, 17:13

Der "crédit d'impôt" für die Installation von photovoltaïque-Elementen ist von ursprünglich 50% zunächst auf 25% und seit Beginn dieses Jahres auf 22% gekürzt worden. Nicht umsonst machen immer mehr Installateure ihren Laden dicht. Der Sohn meines Nachbarn hat noch im Herbst vom Staat eine Fortbildung finanziert bekommen und findet jetzt keinen Job - trotz seiner tollen neuen Kenntnisse. (cherchez l'erreur...)
http://www.outilssolaires.com/pv/prin-couts.htm

Initiativen von "sortir du nucléaire" und Kollegen sind sicher löblich und zu unterstützen. Dem Staatsapparat gegenüber haben sie jedoch - außer der Freude zu existieren - so gut wie gar kein Gewicht: In Frankreich sind gegenwärtig bekanntlich 58 Kernreaktoren in Betrieb, damit kommen wir anzahlmäßig gleich nach den USA - cocoricooo!
http://fr.wikipedia.org/wiki/Production ... e_par_pays

Gruß, Lennie
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Rush
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Dienstag 15. März 2011, 19:20

Salut,

hier ein Bericht in der WELT von heute über dieses Thema.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Frankreich auch in den nächsten Jahren nichts Weltbewegendes in Sachen Atompolitik/AKW's unternimmt.

"Frankreich ist nur Frankreich, wenn es strahlt" :!: :?: :idea: :mrgreen: :roll:

Gruss
Rush
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Wer den Weg der Wahrheit geht, stolpert nicht! (Mahatma Gandhi)
Yoyo
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Donnerstag 17. März 2011, 18:52

Ziemlich aktiv ist - nicht nur momentan - diese Gruppe von Wissenschaftlern:

http://www.criirad.org

Heute Abend ist deren Chef in Envoyé spécial zu sehen und zu hören:

http://envoye-special.france2.fr/accueil.html

Und hier war der Laborleiter der CRIIRAD im Radio:

http://sites.radiofrance.fr/franceinter ... /index.php

Es gibt auch Ablehnung und ab und zu Proteste in Frankreich - zum Beispiel auf ARTE lief 2010 eine sehr kritische Doku zum Atommüll, die nicht nur in Deutschland sondern auch in Frankreich für einige Aufregung gesorgt hat:

http://de.wikipedia.org/wiki/Albtraum_Atomm%C3%BCll

Trotzdem ist der Stand der Anti-Atom-Bewegung in Frankreich in etwa ähnlich wie in deren Anfängen in Deutschland. Ein Großteil der Medien ist außerdem in Frankreich vollkommen staatshörig - fast schon so wie in Italien. :roll:

Wie oben gesagt: Es gibt ja diese unsichtbare Schutzwand um Frankreich und innerhalb dieser Wand kann ein Unfall eigentlich auch nicht passieren. Der Glaube, dass der Mensch die Natur beherrscht ist aus geschichtlichen und kulturellen Gründen sehr stark im katholisch geprägten Frankreich verankert.
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Schöne Grüße - Yoyo
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Aperdurus
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Donnerstag 17. März 2011, 21:02

Laut LyonMag:

16-03-2011
Le préfet de Rhône-Alpes va vérifier toutes les centrales de la région

C'est ce que Jean-François Carenco annonce dans une interview au magazine Lyon Capitale.

Le responsable de l'Etat a décidé mercredi de lancer une grande vérification du niveau de sécurité des 4 centrales nucléaires de la région : Bugey, Saint-Alban, Cruas et le Tricastin. Les préfets de chaque département vont être chargés de réunir les commissions locales d'informations « dans les plus brefs délais » pour analyser à notre échelle les 4 types de risques que connait le Japon : séisme, inondation, coupure électrique et fusion nucléaire.

Immerhin.
Schönen Gruß aus der Drôme
Aperdurus
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dieLis
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Mittwoch 4. Mai 2011, 16:22

Hey,
"Frankreich ist nur Frankreich, wenn es strahlt" hehe, der ist gut.

Nun zum Thema:
Die Atompolitik ist wie vorher schon gesagt, in den Anfängen der Deutschen. Solange Frankreichs Atomsituation sich in den nächsten Jahren besser, sehe ich eine gute Zukunft für diese.

Denn ob ein Super-GAU in Deutschland oder Frankreich passiert ist letzendlich egal..

Schade sind nur, dass erst solche Dinge wie Japan passieren müssen, damit die Politiker etwas an der Situation merken...
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alantur
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Freitag 6. Mai 2011, 08:02

Hi,
Schade sind nur, dass erst solche Dinge wie Japan passieren müssen, damit die Politiker etwas an der Situation merken...
das war doch schon immer so, irgendwer oder irgendetwas muss die Leute mit der Nase darauf stoßen, sonst wird nichts getan, warum auch, es klappt doch auch so wie es ist...
Dass Menschen grundsätzlich nicht sehr langfristig an Gefahren denken sieht man auch schon an solchen Dingen wie Pompeij, oder wer für die aktuellere Variante ist, dann eben Tschernobyl, Fukushima, etc..
Was ist in hundert Jahren? Was in zweihundert? Wie hoch ist die Chance dass in dieser Zeit nicht doch mal irgendwo was schlimmeres passiert?
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Floralys
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Freitag 6. Mai 2011, 12:15

Ich befürchte es wird schlimmeres passieren. Es ist nur eine Frage des wann? und wo? Allein schon das Thema Materialermüdung (bei den verwendeten Materialien an den Bauten) würde in sich ausreichen. Lassen wir mal Schlamperei am Bau, Gewinnmaximierung oder den schönen Ausdruck Abgreifen entlang der Wertschöpfungskette ganz aussen vor.
Apropo, in den Medien hört man nicht mehr so viel von Japan, und siehe da die Überprüfung der Atomkraftwerke wird schon abgeschwächt. Wer "FREIWILLIG" mehr prüfen möchte kann dies natürlich tun. Welche Regierung wird jetzt dazu wohl noch einen Auftrag erteilen? Und wieder gilt: aus den Augen aus dem Sinn.
In diesem Sinne
Floralys
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Alles beginnt mit der Sehnsucht.
Nelly Sachs
ardemia
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Montag 9. Mai 2011, 11:52

Das ist eine interessante Frage über die ich mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht habe. Denke aber das ein Atomausstieg in Frankreich schwierig ist. Haben die Franzosen nicht den größten Teil an Atomenergie in Europa? In Deutschland ist das Thema meiner Meinung nach auch schon wieder ein bißchen abgeflaut. Naja man wird sehen was die Zukunft bringt, aber ich glaube die Atomenergie wird leider nicht so schnell abgeschafft.
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