Pro/Contra Leben in F

Alles zum Thema Leben, Arbeiten, Studieren etc. in Frankreich. (Keine Annoncen)
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CAZ
Beiträge: 15
Registriert: Freitag 2. März 2007, 10:57

Montag 26. März 2007, 08:58

Hi Leute,

dazu fällt sicher jedem von euch was ein. Was sind die Vor- und Nachteile vom Leben in F im Vergleich zu D? Egal, ob euch das persönlich besser gefällt, oder es faktisches Vor-/Nachteil ist.

Was findet ihr subjektiv besser, was vermisst ihr? Leben, Arbeiten, Essen, Landschaft, Städte, Mentalität, Staat, Finanzen, soziale Versorgung.... usw, usf.

Was sind die großen Unterschiede?

Bin gespannt!

CAZ
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salchow
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Registriert: Donnerstag 1. März 2007, 11:58
Wohnort: DE30559 Hannover; 52.3728°N,9.86134°E

Montag 26. März 2007, 15:06

Hallo,

nach drei Jahren Frankreich (bin also fast noch Neuling), hier ein erstes Echoooooo:

Nahrungsmittel etc:
+: Crème fraîche, Sirop, Profiterolles, Baguette, Croissant,
Zeit fürs Essen
-: Soßen, Brot (außer Weißbrot), Käsekuchen, Kräuterbutter

Auto:
+: Keine Kfz-Steuer, Benzinpreise,
keine "Heiligsblechlementalität"
-: Zulassung

Infrastruktur:
+: Viel in öffentlicher Hand, hat Geschichte "hist. gewachsen"
-: Kabelsalat (nicht unterirdisch), kaum Bürgersteige, nicht
sehr Fahrradfreundlich/Behindertengerecht, zentralisiert
(alles auf Paris ausgerichtet), Autobahnmaut

Mentalität:
+/-: "Kommste heut nicht, kommste morgen"
+: Familienfreundlich, aufgeschlossen (wenn man frz. spricht)
-: Pariser motzt aus Prinzip, Europamuffel

Bürokratie:
+: Einfaches "Ummelden" bei Umzug, einleuchtendes System
der Autonomieebenen (Staat-Region-Département-
Arrondissement-Canton-Kommune)
-: Prinzip des Wohnsitznachweises, Wählerlisten bis 31.12.
des Vorjahres,

Lebenshaltung:
-: Essen/Wohnen sehr teuer, Handy/Telefon sehr teuer
+: Internet günstig

Landschaft:
+: Alles vorhanden: Berge, Meer, echte Winter im Nordosten, wärmere Gefilde im Süden, starker Agrarsektor (je nach Region)

Sprache:
+: starker Einfluss/Rücksichtnahme von Minderheiten: Bretonisch,Elsässisch,Occitanisch,Chtie (Nord),Korsisch,Baskisch,etc.
-: Fremdsprachen"faul" - Folge der Prioritätensetzung im Bildungssystem



Das war ein spontanes Brainstorming, krieg bestimmt noch ein bisschen was zusammen… Kommt später
Zuletzt geändert von salchow am Montag 26. März 2007, 15:07, insgesamt 1-mal geändert.
Stefan Cilimba
Beiträge: 186
Registriert: Samstag 13. April 2002, 22:38
Wohnort: St. Jory de Chalais Perigord Dordogne

Montag 26. März 2007, 16:02

Also grundsätzlich kann ich es vielleicht so ausdrücken: Es fehlt mir Siegerländer Schwarzbrot sowie geräucherte Blut- und Leberwurst und solche Sachen, aber ansonsten geben wir jedesmal, wenn wir nach unserem jährlichen Einkaufsbesuch (s.o.) zurückfahren, mehr Gas um schneller wieder nach Hause (ins Perigord) zu kommen. Deutschland wird uns immer fremder.
A+
Stefan
PS. wir haben 1991 den alten Bauerhof gekauft und sind 1999 endgültig ausgewandert.
Achso, nochwas: hier in der Provinz gibt es leider keine griechischen Restaurants, also kochen wir es selber.
Zuletzt geändert von Stefan Cilimba am Montag 26. März 2007, 16:04, insgesamt 1-mal geändert.
chrissie77
Beiträge: 34
Registriert: Sonntag 29. August 2004, 13:48

Dienstag 27. März 2007, 13:09

Also da möchte ich auch mal meinen Senf dazugeben.
Ich bin eigentlich kein richtiger "Auswanderer", da ich direkt an der deutschen Grenze wohne.

Wenn man nach Frankreich ziehen möchte sollte man sich als erstes die deutschen "Macken" abgewöhnen wie alles muss schnell gehen, heute bestellt morgen schon da usw.
In F ticken die Uhren etwas anders.

Anders als in D habe ich in Frankreich auf öffentlichen Ämtern noch nie schlechte Erfahrungen gemacht. Die Menschen sind sehr freundlich und lächeln dich an wenn du reinkommst. Man fühlt sich eigentlich sofort wohl. Das gleiche gilt auch ganz oft in Geschäften.

Meiner Meinung nach sollte man sich genau überlegen WARUM man nach Frankreich möchte oder wohin auch immer.
Viele Leute (vor allem Grenzgängerbereich) machen das aus steuerlichen Gründen.
Was viele aber vergessen, auch das leben in Frankreich ist nicht billig.
Man sollte schon einen Bezug zu dem Land haben und nicht einfach Hals über Kopf entscheiden ich wandere aus.

Und das allerwichtigste: NIEMALS ohne genügend Sprachkenntnisse. Dann ist es verdammt schwer.

Das Leben allgemein finde ich in F etwas gemütlicher. Vieles wird nicht so ernst genommen. Man kann sehr schnell neue Kontakte knüpfen.
CAZ
Beiträge: 15
Registriert: Freitag 2. März 2007, 10:57

Dienstag 27. März 2007, 13:24

Schonmal interessant, danke für die Antworten...

Ich lerne auf jeden fall eifrig Französisch, und komme auch gut voran. Ich werde erstmal öfters beruflich in Paris sein, aber, obwohl ich mich im Rheinland sehr wohl fühle, könnte ich mir auch vorstellen, ein paar Jahre woanders zu LEBEN. Ohne Flucht, ohne Frust, einfach der Möglichkeit wegen lohnt sich der Gedanke...

Was ich mich wirklich frage, und mit der Frage bin ich hier doch sicher an der richtigen Adresse: Was ist wirklich das Entscheidende? Es scheint ja wirklich ausgewogen zu sein, die Pros und Contras. Was macht EUCH zum Frankreich-FAN?

Beste Grüße, CAZ
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salchow
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Wohnort: DE30559 Hannover; 52.3728°N,9.86134°E

Dienstag 27. März 2007, 17:53

Stefan Cilimba schrieb
Achso, nochwas: hier in der Provinz gibt es leider keine griechischen Restaurants, also kochen wir es selber.
Leider nicht nur in der Provinz. "Echte" griechische Restaurants sind selbst - wenn überhaupt vorhanden - in der Hauptstadt Mangelware. Griechisch ist hier Äquivalent zu "FastFood". Leider…

Für mich war der Schritt nach Frankreich zu gehen eher von Berufswegen vorgesehen. Und da hab ich festgestellt, dass es sich auf keinen Fall schlechter leben lässt als in Deutschland.

Und, seien wir doch ehrlich, obwohl es ein Nachbarland ist, sind wir Deutsche nun doch eher Exoten. Und ein "Exot" zu sein hat eben doch etwas. ;-)
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