Gibt es in Frankreich steuerrechtliche Liebhaberei?

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kandamma
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Donnerstag 9. April 2015, 21:34

Hallo, wenn man in Deutschland höhere Ausgaben als Einnahmen im Freiberuf hat, betreibt man Liebhabarei und muss die Einnahmen nicht versteuern.

Gibt es so etwas auch in Frankreich ?

Ich kenne in F nur die Micro Entreprise BNC mit Freibetrag. Man kann aber keine Ausgaben absetzen.

Was empfehlt Ihr, wenn man hohe Ausgaben im Freiberuf hat, und diese erst einmal höher sind als die Einnahmen ?

Peter
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Tonton
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Freitag 10. April 2015, 11:44

Für eine kleine Firma, also im Format "déclaration simplifié" (das ist keine Micro) kannst Du das in den nächsten Jahren "abziehen lassen".
Also, z.B., Du hast 2015 ein Minus von 3.000 gemeldet, dann hast Du irgendwie 5 oder 10 Jahre (bin bei der Zeitspanne nicht sicher), um diese auf Gewinne anzurechnen).

Ex: Du machst dann 2018 (also NACH Hollande) endlich Gewinne, z.B. 30.000
dann kannst Du den Vorbetrag von 2015 abziehen und versteuerst "nur" 27.000 Euros.

Vorsicht Falle: in Frankreich sind die Sozialabgaben für Einzelunternehmer HÔHER als die Einkommensteuer (in D'land sind diese zum Grossteil in der Einkommensteuer enthalten)
Auch wenn Du minus machen solltest: Du zahlst IMMER als "simplifié" (also nicht Micro) an den Sozialabgaben zumindest den Mindestsatz, also rund (pie mal Daumen) geschätzte 2-3000 euros !
Darfst dafür diese dann aber auch wieder in Dein "Minus" mit aufrechnen. Also werden aus deinem "echten Minus" von dem o.g. Beispiel 3000 dann gleich 3000+ Sozialabgaben von rund 2-3000 => ca. 5.000-6000 Minus.
Was ich jetzt unter "Sozialabgaben" einfach mal zuammengefasst habe, ist die AF (geht an die CAF, wird aber von der URSSAF eingesammlt) und die Contributions Sociales (URSSAF).
Ja, das klingt kompliziert, ist es auch ! So ist das halt, wenn ein überpersonaliertes, jedoch unterbeschäftigtes Beamtentum verselbstständigt, und nach Möglichkeiten suchen muss, Unternehmertum möglichst zu beseitigen.
Stelle schon mal Rücklagen für eine zusätzliche Fachkraft für Formularausfüllungen bei Seite.
:mrgreen: :mrgreen:

Die Urssaf müsste jetzt irgendwo einen Mindestsatz von ca. 5-600 Euros pro Trimestre haben (kenne den nicht so genau).
Hinzu kommt noch: Du wirst immer Krankenkassen & Rentenversicherungen zahlen müssen (auch Pflicht, und gibt da jeweils auch Mindestsätze, egal, ob Gewinn oder Verlust kannst dafür auch noch mal ein paar grosse lila Scheine bereit legen.... auch bei Minus in der Bilanz & Kasse).

Kurzum, bevor Du auch nur einen Euro Umsatz gemacht hast (oder überhaupt angefangen zu arbeiten) bist Du schon bei Anmeldung Deiner Firma ein paar "Tausender" los geworden.
Alle Beitäge & Steuern sind für das Jahr fällig. Ex: meldest Du nach 2 Jahren Deine Firma wieder ab (wegen Erfolglosigkeit, oder Lustlosigkeit) und machst das dann erst am 2. Januar, zahlst Du etliche Steuern dann trotzdem ncoh für das Gesamtjahr (z.B. Gewerbesteuer = Taxe professionelle). die Sozialabgaben auf's Vierteljahr.
Taxe professionelle musst Du übrigens auch immer Zahlen, egal, ob Du Gewinn machst, oder wegen Minus in der Kasse Dir kaum noch eine Scheibe Brot leisten kannst.
Der Staat will sein Geld trotzdem.
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Grüsse aus der Südsee !
kandamma
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Freitag 10. April 2015, 14:37

Tonton hat geschrieben:Taxe professionelle musst Du übrigens auch immer Zahlen, egal, ob Du Gewinn machst, oder wegen Minus in der Kasse Dir kaum noch eine Scheibe Brot leisten kannst.
Der Staat will sein Geld trotzdem.
Danke für die ausführliche Antwort. Bei meinen ca. 4000 Euro "Umsatz" im Jahr und Kosten von 5000 Euro (deshalb auch die Liebhaberei in D) lohnt sich wenn überhaupt nur eine Micro BNC. Soweit ich mich erinnere hat ein Freund (der 0 Euro Umsatz machte)bei der Micro BNC ca. 180 Euro Krankenkasse bezahlt ( monatlich für zwei Personen) und 300 Euro Taxe professionelle pro Jahr. Dazu noch der Pflicht-Steuerberater für 800 Euro pro Jahr.
Das würde sich bei 4000-5000 Euro Umsatz pro Jahr wohl eher rechnen, oder ?
Wie ich es kapiere muss ich dann bei der Micro BNC auf den Umsatz Steuern (25% ?) und CSG (15% ?) zahlen und kann Verluste und Kosten natürlich nicht absetzen ?

Nochmal gefragt: gibt es so etwas wie Liebhaberei auch in F (wenn Ausgaben höher als Einnahmen sind).
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Yoyo
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Freitag 10. April 2015, 14:49

Die Taxe professionnelle gibt es schon lange nicht mehr:

http://www.service-public.fr/profession ... 00558.html

Was aber nicht heißt, dass es dadurch einfacher geworden wäre.

Gesetzliche Krankenkasse zahle ich für 2 Leute 685 € im Jahr, damit kommt man in Deutschland nicht hin. Mit Zusatzversicherung (für KH Einzelzimmer und Medikamentenrestzahlungen und und und...) etwa 250.- € im Monat für 2 Leute.

Meine jetzigen cotisations basieren auf den revenus von 2013. Als Neuanfänfger muss man gleich beantragen, dass man weniger verdient und deshalb nicht die ersten zwei Jahre das festgelegte Fixum zahlen will. Aber wehe, man verdient in den zwei Jahren mehr: Das hat schon einigen dann im dritten Jahr das Genick gebrochen.
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Schöne Grüße - Yoyo
Carola
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Freitag 10. April 2015, 18:08

Hallo,

die taxe professionnelle gibt es in der Tat nicht mehr, allerdings wurde diese Steuer eleganterweise einfach nur "umbenannt" und heißt jetzt "CFE". Der Beitrag von Tonton weist sehr viele falsche Informationen auf, die auf gefährlichem Halbwissen basieren. So kann es durchaus sein, dass man als Freiberufler beispielsweise GAR KEINE Beiträge für die Urssaf zahlen muss, wenn ein bestimmter Umsatz nicht erreicht wurde. Das erscheint mir bei einem Umsatz von ca. 4-5000 Euro gegeben. Auch bei der CFE ist das Finanzamt durchaus bereit, mit sich reden zu lassen - man sollte sich einfach schriftlich an diese Stelle wenden. Thema Steuerberater: Mir ist nicht bekannt, dass dieser Pflicht ist, jedoch ist es besser, einen zu beauftragen. 800 Euro pro Jahr für dessen Dienste kann ich persönlich nicht bestätigen!
Ich möchte keinem hier zuraten, sich in F selbständig zu machen, aber ganz so wie zuvor geschrieben, ist es dann doch nicht, ich sage das aus eigener Erfahrung. Bin seit 13 Jahren selbständig und habe bisher zumindest überlebt.
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Yoyo
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Samstag 11. April 2015, 09:55

Wenn Du Künstler bist, findest Du hier eine Menge Informationen:

http://fr.artquid.com/page/600/f-a-q-qu ... teurs.html

Ein "amateur" ist im Französischen Laie und Liebhaber.
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Schöne Grüße - Yoyo
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