Wat nu?

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Bonzo
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Mittwoch 19. April 2006, 16:33

MONSIEUR,

POUR FAIRE SUITE A VOTRE DEMANDE DE RACCORDEMENT AU RESEAU DE DISTRIBUTION PUBLIQUE D'ELECTRICITE NOUS VOUS PRIONS DE BIEN VOULOIR TROUVER CI-JOINT UN DEVIS DE 23087,03 EUROS TTC...

So fing der Brief an, den ich heute mit der Post bekam. Als geübter Trinker wird mir nur selten übel, aber die EDF hats geschafft, meine weitere Nahrungsaufnahme zu blockieren.

Alles fing ganz harmlos an. Wie andere Menschen auch beantragte ich bei der EDF einen Stromanschluß. Am 7.4.2006 sollte der Strom fließen. Statt Strom kam die Bürgermeisterin der Gemeinde und teilte mir mit, dass das ganze ziemlich kompliziert sei - das mit dem Strom natürlich. Das habe ich nicht kapiert, zumal rund um unser Gelände Strommasten ohne Ende stehen. Mal rauschen dort 400 Volt durch, bei anderen Leitungen sind es 20000 Volt. Ein Trafo, und die Sache fluppt. Keine große Geschichte. Unser Nachbar, der nur 100 m entfernt seinen Hof bewirtschaftet, hat eine schöne fette Leitung, die für uns auch ausreichen würde - so sagen es zumindest unsere Fachleute. Was will nun die EDF? Aus 700 m Entfernung sollen wir unseren Strom aus der Post beziehen. Für so viel Geld kann man sich ja schon ein eigenes kleines Kraftwerk bauen. Selbst das Alukabel verlegen darf ich auch nicht. Nur von der EDF beauftragte Unternehmen dürfen dies. Wann wird diesen Drecksäuen der EDF endlich das Handwerk gelegt?
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stinkerchen
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Mittwoch 19. April 2006, 19:20

'allo Bonzo.

Leider hat sich nichts geändert. Auch meine Eltern hatten bei der Erschließung des Grundstückes für Ihr Mobilheim vor 30 Jahren keine Wahl, als einige Tausend Francs auf den Tisch des Hauses zu legen und alles "hochoffiziell" erledigen zu lassen.

Das mit dem Nachbarn würde ich aber versuchen, weiterzuverfolgen. Vielleicht gibt es ja noch ein Einsehen ...

Bonne Chance, Micha
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Salut, Micha
textspecht
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Donnerstag 20. April 2006, 00:44

Salut, Bonzo,

das erinnert uns hier in der Süd-Ardèche (Du kennst ja unser Gästehaus) heftig an den langen Kampf, den wir wegen des Anschlusses an das Gemeinde-Wassernetz geführt haben. Der stand uns per Gesetz fraglos zu, und wir hätten sogar die Kosten übernommen, die ansich von der Commune zu tragen gewesen wären. Wir reden da übrigens von "eben mal" rund 18.000 Euro.
Trotzdem bewegte sich seitens der Commune oder der überkommunalen Wasserbehörde gar nichts. Briefe gingen "verloren" oder blieben ohne Antwort. Unser Antrag lauft seit Frühjahr 2003...

Zum Glück hat uns 2003/04 ein Nachbar mit einer provisorischen Leitung mitversorgt, bis wir uns dann über eine private Brunnenbohrung plus Hauswasserwerk (insgesamt um 25.000 Euro) diesbezüglich autark machen konnten. Natürlich mit etlichen Auflagen, die der Mairie besser bekannt waren als ihre ursprüngliche Pflicht zum Wasseranschluß unseres Hauses.

Zur praktischen Lösung Deines Problems (mit Blick auf Dein Jugendlager 2006): Versuch mal, ob Du nicht von einem freundlichen Nachbarn über einen EDF-zugelassenen Elektriker eine nachweislich betriebssichere Leitung zu einer Verteilerstelle (nach EDF-Richtlinien) in Deinem Camp herstellen kannst. Dagegen kann die EDF zumindest aus meiner Sicht keine rechtlichen Einsprüche erheben (so wenig wie die Wassermänner in unserem Fall).
Damit wäre zumindest einmal Dein diesjähriges Jugendlager mit all seinen weiteren Investitionen praktisch gesichert.

Weiteren Schritte liegen auf bürokratischer Ebene, sind m.E. zwar erfolgversprechend, benötigen aber weit mehr Zeit als Du im Augenblick für Dein anerkanntes Jugendcamp 2006 hast.

Du kannst gegen diesen Bescheid der EDF oder (unter gewissen Umständen) auch gegen die mangelnde Unterstützung durch die Commune vor dem Verwaltungsgericht klagen. Inzwischen sogar kostenlos.
Du hast mit Deinem Anliegen zweifellos beste Chancen, wenn Du den Beauftragten für Jugendarbeit in Deinem Dèpartement oder im Regionalrat Deiner Région ansprichst. Auch über die Instanzen des D-F-Jugendwerkes solltest Du eigentlich aktive Hilfe und Unterstützung finden.

Aber all das braucht mehr Zeit als Du hast. Und wenn selbst die lokale Bürgermeisterin (im nächsten Jahr können auch wir als EU-Bürger diese Kommunalpfeifen abwählen!) die große und gute Idee Deiner Camps (inkl. der Profilierungs-Chancen für sich selbst und ihre Commune) nicht begreift, dann bleibt Dir vorerst wohl nur der Weg über den freundlichen Nachbarn.
Bis andere Schritte greifen können.

Gestatte mir aber bitte die Frage, Bonzo: Inwieweit hast Du Deine heutige Standortgemeinde vorab befragt und in die Ziele Deiner Arbeit (inkl. des Grunderwerbs) eingeweiht, sie vom Sinn und Nutzen Deines (ansich anerkannten) Projektes persönlich überzeugt?!?
Ein so großes Projekt wie Deines, einen privaten Platz zur Jugendbegegnung zu schaffen, erfordert noch mehr Umsicht und vor allem informatorische Vorarbeit (man nennt es auch PR für die gute Sache) als etwa die Einrichtung eines Gästehauses in diesem strukturschwachen Gebiet.
In dieser Informations-Vorleistung ist offenbar etwas versäumt worden oder schiefgelaufen, wenn die Ortsbürgermeisterin ein internationales, seit Jahren bewährtes Jugendcamp blockiert.

Kurz und knapp: Besorg Dir vorerst Strom vom Nachbarn (siehe oben), dann gewinnst Du Zeit für die bürokratischen Schritte, die dir (mit der Zeit...) echte Erleichterung verschaffen können.
Falls wir Dir irgendwie praktisch helfen können, laß es uns bitte einfach wissen.

Toi, toi, toi — Heinz-Günter + Lilo
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Bonzo
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Donnerstag 20. April 2006, 08:42

Danke für die guten Ratschläge! Ich habe schon mit dem Nachbarn gesprochen, aber wenn wir dort unsere Kühlhäuser und Flutlichtanlagen anschließen, würde bei ihm alles zusammen brechen. Die EDF könnte erst ab August Strom liefern, wenn ich den Vertrag unterschreiben würde. Das heißt, dass ich mir für dieses Jahr etwas anderes einfallen lassen muss. Vielleicht kann ich bei der Bundeswehr oder den Belgischen Streitkräften für diesen Sommer einen Stromerzeuger borgen. Gute Kontakte dorthin bestehen. Über Windräder oder Solaranlagen brauche ich nicht nachdenken, da unser Strombedarf 20 KW ständig übersteigt. Außerdem bräuchte ich dafür auch viel Geld - und die Genehmigung.
Unser Projekt ist natürlich in der ganzen Region bekannt. Das hat sich schnell herumgesprochen, dass am Ardècheufer 20 verrückte Deutsche 14 Stunden täglich arbeiten. Von morgens bis abends kamen die Schaulustigen und bewunderten unsere Schnelligkeit. Im 15-Minuten-Takt kamen die Betonmischer; zeitweise hatten wir Radlader, Schaufelbagger und Planierraupen gleichzeitig im Einsatz. In nur 10 Tagen verkabelten wir 1,5 ha Gelände, setzten Stromverteilerkästen, pflanzten Straßenlaternen, erweiterten ein Sanitärgebäude, verlegten einige 100 Meter Abwasserrohre, bauten Feststofffilter und riesige Fettabscheider dazwischen, vergossen 50 qm Beton, bereiteten unseren Sportpark mit Fußballfeld, Volleyballplatz und Boulodrome vor und pflanzten noch 200 Wassermelonen und andere leckere Sachen. Eine Baugenehmigung lag noch nicht vor, da eine Behörde noch von der Industrie und Handelskammer Bescheinigungen haben wollte, dass unsere Handwerker fachlich geeignet sind, um diese Arbeiten verrichten zu können. Das war mir allerdings zu dämlich. Ich habe daraufhin mit der Bürgermeisterin gesprochen - und dann ging es auch ohne entsprechende Unterlagen. Die Gemeinde unterstützt uns wo sie kann. Schließlich hat der Rat auch gemerkt, dass wir viel Geld in die Gemeindekassen spülen. Darüber hinaus engagierten wir nur Firmen aus der Nachbarschaft. Das wird auch honoriert.
Gestern war mir noch übel, aber heute gehts schon wieder.
Et hätt ja noch immer joot jejange...

Gruß aus Leverkusen

BONZO
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textspecht
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Freitag 21. April 2006, 02:21

Salut,

ja, so klingt das natürlich schon ganz anders, also nicht nach einer der häufigen Provinzpossen. Hier will offensichtlich der Platzhirsch EDF nochmal seine Allgewalt und Unverzichtbarkeit demonstrieren, bevor er per Gesetz auch anderen das Feld überlassen muß. Die dann aber zunächst auch auf die monopolistische Infrastruktur der EDF angewiesen sind.
Sch....spiel.

Stromaggregate von in- oder ausländischen Streitkräften zu bekommen, erfordert enorme Dienstwege.

Gedanke: Frag doch wg. Stromerzeugern mal bei den großen frz. Vermietern von Baugeräten nach, ob Euch da einer für diesen Sommer sponsern möchte. Wäre ja recht naheliegend, zumal Ihr mit lokalen Handwerkern und Betrieben arbeitet, die zur ständigen Klientel solcher Vermieter gehören.

Weiterer Gedanke: Sondieren, welche Stromanbieter nach Fortfall des EDF-Monopols starkes Interesse am frz. Markt haben und einen davon als Sponsor für eine provisorische Stromversorgung Eures Super-Camps gewinnen.
Zusätzlicher Vorteil in beiden Fällen: Die PR- und Presse-Arbeit solcher Sponsoren käme der EDF gewiß nicht gelegen.

Dritte Möglichkeit: Selber einen Pressetermin auf Eurem Platz veranstalten, Bürgermeisterin + alle Befürworter + Handwerker + Regionalpresse (samt TV) + (fairerweise) EDF-Sprecher einladen.

Öffentlichkeit kann manchmal Dinge bewirken... :rolleyes:

Toi, toi, toi,
Heinz-Günter
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