Jakobskreuzkraut

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Virginie
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Montag 9. Juli 2012, 17:44

Hi Ihr,
ich bin jetzt eine Weile hier (5 Monate) und nach dem ersten Kulturschock (die sprechen ja wirklich nur Französisch! :D ) langsam entwas entspannt.
Vor Beginn der Heusaison habe ich hier alles gegeben, damit wenigstens ein Artikel erscheint im "Le Populaire" - das hat zwar immerhin funktioniert, als ich gesagt habe, dass es hier auch einige mysteriöse Todesfälle unter Rindern gegeben hat, aber die Leute wollten dann doch nicht mehr dazu stehen, als die Presse kam... Der Artikel ist total wischiwaschi geworden, ohne Foto, so dass das wahrscheinlcih gar nichts bringt. Samstag auf dem Markt habe ich sogar einen STand gesehen, der das Kraut als Blume angeboten hat. Wie geht Ihr denn damit um? Ich mag nicht so als die Besserwisserin herumtönen, sprecht Ihr die Leute darauf an?
Lieben Gruß
Virginie
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Axurit
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Dienstag 10. Juli 2012, 07:16

Hallo Virginie,

Da hast du in fünf Monaten ja schon erstaunlich viel darüber erfahren dürfen, wie Frankreich so funktioniert. Die Regionalpresse ist hier nicht vergleichbar mit Deutschland. Man sieht das ja schon an der Themenaufteilung, das wird beim Populaire nicht anders sein als hier beim Indépendant. Als Aufreisser auf der ersten Seite ein nationales oder lokales Top-Thema: /% TVA für Campings, 7 Beinahe-Ertrunkene in Canet-Plage. Dann ein paar Seiten Lokales aus der Regionalhauptstadt, viele Seiten mit Nachrichten aus den Dörfer, insbesondere die nächsten Rifles und die letzten Ausflüge der Clubs du 3ème Age, viel Sport (Rugby à 15, Rugby à 13, Rugby féminin, Tour de France, ..., Fußball). Irgendwo ganz hinten auch noch eine Seite Witschaft, eine Seite internationale und zwei Seiten französische Politik.

Kritische Themen passen da nicht rein, abgesehen von den typischen Volkszorn-Themen wie Benzinpreis, Parkgebühren und verwahrlosten Hauskatzen. Hinzu kommt, dass diese Blätter, trotz der scheinbar harmlosen Themenauswahl, von der Politik abhängig und gesteuert sind, entweder direkt über den Hauptaktionär oder indirekt über Anzeigen des Conseil Général und ähnliches.

Auch die öffentliche Meinungsbildung läuft hier etwas anders. Ein Thema wird selten durch Initiativen von unten nach und nach ins Bewusstsein gebracht, sondern meist über spekatkuläre Ereignisse mit nationaler Aufmerksamkeit. Wenn morgen drei Rinder in Tulle nach dem Genuß von Jakobskreuzkraut verenden, dann wird das Thema abends im JT von TF1 behandelt und für drei Tage die Schlagzeilen beherrschen. Aus allen Ecken Frankreichs werden täglich neue Fälle gemeldet. Dann verspricht der Präsident oder der Premier Ministre drastische Massnahmen, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass irgendwie die EU die Schuld trägt. Und dann ist wieder Ruhe, es gibt schliesslich Wichtigeres zu regeln, z.B. 7% TVA für Campings, und bis September ist jetzt eh erst mal Pause.

Und dass Franzosen gerne auf Ablehnung schalten, wenn ein Mißstand, den sie selbst nicht gut finden, von einem Ausländer kritisiert wird, ist dir wahrscheinlich auch schon aufgefallen.

Das spricht natürlich alles nicht gegen deine Initiative. Wenn du es nicht schon getan hast, solltest du dir aber auf jeden Fall erst einmal einheimische Mitstreiter suchen.

Grüße
Rainer
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Virginie
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Dienstag 10. Juli 2012, 09:49

Ja, das wäre sicher nicht schlecht gewesen... Das Merkwürdige ist, wenn ich meinen Nachbarn frage, der Gemüsebauer ist, der weiß genau, dass dieses Kraut hier erst seit ein paar Jahren angekommen ist. Aber der Pressetyp, der wirklich engagiert recherchiert hat, hat überall eher abwiegelnde Infos bekommen. Sogar in den Biolaboren wird das hier anders gesehen, klar, das Kraut ist nicht wirklich gesund, aber als giftig wird es einfach nicht eingstuft. Und allen Leuten, den ich hier davon erzählt habe, die sind erstmal erschrocken, aber nur eine Frau hat auch mal was davon ausgerupft - geschweige denn, dass sie ihre Weiden vorm Heu machen gesäubert hätten... Der Populaire ist genauso aufgebaut, wie Du beschrieben hast. Da ist ja meine Lokalzeitung in Münster dagegen ein geradezu avantgardistisches Blatt gewesen...
Schöne Grüße aus dem Limousin,
Virginie
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herbertp
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Mittwoch 11. Juli 2012, 07:17

Wenn man googlet, dann findet man schon etwas:
http://www.fleurs-des-champs.com/fiche_ ... obaea.html

http://www.hebdo.ch/alerte_au_senecon_j ... 2556_.html

http://le72emedecavalerie.free.fr/carib ... HEVAUX.pdf

aber es wird noch eine ganze Zeit dauern, bis sich ueberall herumgesprochen hat, dass dieses Kraut gefaehrlich ist. Und dann? Was macht HOMO SAPIENS dann.
Hier die Loesung : Grossflaechige Behandlung aller Flaechen (vorzugsweise mit Hubschraubern):twisted: :twisted:
mit Ally-tabs der
Herbizid-Tablette zur Einzelstockbehandlung
So wird Geld gemacht :!: :shock:
und
die Warnhinweise werden natuerlich wieder nicht wahrgenommen :shock:
"und so ein Bloedsinn steht ja ueberall drauf, aus rein rechtlichen Herstellerschutz-gruenden"
Wichtig zu wissen
Breitblättrige Kulturpflanzen (z.B. Rüben, Raps,
Leguminosen, Gemüse) und Mais sind gegenüber Ally
Tabs sehr empfindlich. Abdrift oder das Verwehen der
Spritzbrühe auf diese Kulturen oder auf Flächen, die
für den Anbau solcher Kulturen vorgesehen sind,
unbedingt vermeiden.
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Amadeus
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Mittwoch 11. Juli 2012, 15:47

Virginie: Herzliches Hallo - zu Jakobskreuzkraut gibt es eine Unmenge von Publikationen - auch im web. http://www.ak-kreuzkraut.de sehr gut und vor allem sehr pragmatisch und mit Untersuchungsergebnissen unterlegt.
Was Dir Dein Nachbar sagt, stimmt und stimmt doch nicht. Das Kraut ist nicht erst angekommen, es ist da und zwar seit Dekaden. Limousin: ich bin von der "Grenze" ca. 20 km entfernt und so ist es interessant, was Du mitteilst. Bei "Kraut ausrupfen"* bin ich leicht blass geworden, denn so kann man das nicht machen, ohne sich selbst massiv zu gefährden. Aus dem Grund - Heu - kaufen wir hier kein Heu und kein Stroh bei "irgendwem" - es wäre viel zu gefährlich z.B. für die Pferde.

Wo immer man reist, z.B. auch an Autobahn-Neubauten - auch in DE - sieht man das Zeug hochkommen, denn die Samen liegen ca 40-50 Jahre ruhig in der Erde. Durch Erdbewegung, Gärtnerei, alle möglichen "Movements" kommt das Zeug nach oben, wir kämpfen damit seit ca. 5 Jahren - urplötzlich war das Zeug (wieder) da.

Beseitigen kann man das Zeug nicht einmal mit Roundup. Wir graben* es aus, mit Mundschutz und verbrennen es dann. Eingekleidet wie für die Rechtsmedizin und das ist keine Übertreibung. Kinder zB: man kann nur deutlich sagen: fernhalten und das Zeug unmgehend beseitigen. "Beseitigen" ist auch eine Art von Illusion, denn man wird es nicht los. Aber man kann es kleinhalten.

In England und der Schweiz (für DE weiss ich es schlicht nicht) besteht Meldepflicht für das Zeug. Wiesen etc. die damit behaftet, gesehen werden, können bei den einschlägigen Autoritäten gemeldet werden - klingt übertrieben, aber es ist richtig so.

In FR, und ich kann nur für mein nächtstes Umfeld in Dept. 24 sprechen, besteht kein Bewusstsein - bis jetzt - für das Thema. Aber: wer im Grunde eine C-Wirtschaft hat, die Landstriche sagen es überdeutlich und deren Verödung, aber z.B. bei MmeMerkel auf TripleA-Wirtschaft intrigiert, der hat andere Sorgen, als Jakobskreuzkraut. Es klingt sarkastisch? Ja, in der Tat, nur man sollte z.B. jeden Deutschen einmal für 1-2 Jahre in FR leben lassen, nicht mit Ferienhaus, sondern unter Ernstfall-Bedingungen und so Manche/r würde begreifen, wovon in FR nach wie vor die Rede ist.

Du, Virginie, wirst nur stören. Wirst nur unangenehm auffallen mit einer Initiative. Das muss einen grundsätzlich nicht abhalten, die Frage ist, kann man sich das leisten? Wir sind hier - 24 - total unabhängig und wir sind z.B. dabei, uns darum zu kümmern, dass unser Trinkwasser aus dem Hahn seit Urzeiten - wir haben es in 2009 bemerkt - mit Arsen verseucht ist. Die "Erfreutheit" in unserem Umfeld ist sinnfrei zu schildern, aber - erheblich. Insofern: ich begrüsse es, wenn man sich z.B. gegen Jakobskreuzkraut wehrt, aber ich habe sehr einschlägige Erfahrung damit, was sich in meinem Dept. abspielt. Es wäre schön, wenn Du immer einmal wieder im Thread berichten könntest, wie Du vorangehst. Wenn Du nicht vorangehst, bin ich die Erste, die Dich sehr gut versteht. Die Rosa-Brillengläser in puncto Frankreich usw..... - wäre es nicht so schlimm, man könnte lange schmunzeln.
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herbertp
Moderator
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Mittwoch 11. Juli 2012, 18:33

:!: :!: Hallo Virginie
Hallo Amadeus

Ich habe ganz bewusst versucht franzoesische Internetseiten zu finden. Es waere schoen, wenn zu der schweizer Forschung eine franzoesische Uebersetzung aufzufinden waere. Was so ein richtiger Franzose ist, der findet es nur gut und ist bereit einen Blick darauf zu werfen, wenn da fabrication francaise drauf steht. (Besser noch wenn es eine EU-Subvention dafuer gaebe.)
Mein Nachbar, Jungbauer um die dreissig, 80 Limousinrinder, kannte voriges Jahr diese schoene gelbe Blume nicht, als ich im 150PS Trecker mich mit ihm unterhielt, waehrend er meine Heuwiese maehte. Dieses Jahr hat er umgesattelt. Kuehe machen so viel Arbeit. Und immer die Tierarztrechnungen. Heute verkauft er lieber das Heu von seinen 50ha Grasland. Sogar die "antiken" kleinen Ballen produziert er auf Anfrage fuer Kaninchenzuechter und Pferdeliebhaber :!: :!:
salut
Herbert,
der ganz vorsichtig versucht, seinen Nachbarn Informationen aus dem frz Internet ueber diese schoene gelbe Blume zukommen zu lassen.
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Amadeus
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Donnerstag 12. Juli 2012, 10:50

Eine Anfrage bei dem benannten Institut könnte weiterhelfen bei der Suche nach frz. Material.

http://fr.wikipedia.org/wiki/Jacobaea_vulgaris
Literaturliste ganz unten - FR - recht interessant

Séneçon commun: sehr viele FR-sprachige Treffer bei google.

Freue mich, wenn das weiterführt.
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Bernd und Heide
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Donnerstag 12. Juli 2012, 13:40

Wir haben das Zeug massenweise im Garten. Freunde sagten, das sei Johanniskraut. Die Fotos in den Publikationen sind nicht sehr deutlich, es könnte auch das Jakobskreuzkraut sein. Weiß jemand was, Unterschied zu Johanniskraut?

Salut, Bernd.
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Amadeus
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Donnerstag 12. Juli 2012, 15:04

Bernd und Heide: der erste Link, ein www. in de zeigt die Pflanze relativ genau. Jetzt - um diese Jahreszeit ist sie so simpel anhand der www zu identifizieren, dass ich gerade etwas ratlos bin. Im Frühjahr ist die Pflanze etwas schwieriger zu identifizieren. Aber jetzt ist sie mit Sicherheit, falls unberührt, 30-40 cm hoch.

Auf keinen Fall anfassen, bis Klarheit herrscht und das ist kein Alarmismus. Gehen Sie notfalls einfach zu google pictures. Und, mit Verlaub, Johanniskraut sieht so sehr anders aus, dass ich mich etwas wundere, wie es da überhaupt zu Verwechslung kommen könnte.

In wirklich ehrlicher Absicht: sehen Sie sich doch den Link nochmals genau an und gehen die Site durch. Sie haben danach ganz gewiss keine Probleme, "Ihre" Pflanze zu identifizieren.
Zuletzt geändert von Amadeus am Donnerstag 12. Juli 2012, 15:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Aperdurus
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Donnerstag 12. Juli 2012, 15:08

Hallo Bernd,
wenn Du auf dieser Seite
http://www.landwirtschaftskammer.de/lan ... zkraut.htm
die Bilder anklickst, siehst Du die Blatt- und Blütenformen relativ gut.
Und hier
http://de.wikipedia.org/wiki/Echtes_Johanniskraut
siehst Du einen riesigen Unterschied in der Blattform. Im übrigen scheinen mir Deine Katzen nicht besonders gefährdet. Du selbst bist ja auch kein Vegetarier :mrgreen:

Gruß von weiter nördlich
Aperdurus

PS:
Ich werde jetzt auch mal auf die Suche gehen. Aber wie man lesen kann, hilft häufiges Mähen.
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"Die Drôme, das ist das Zusammentreffen der Alpen und der Provence, deren warmherzigen und duftenden Akzent sie schon besitzt."
Amadeus
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Donnerstag 12. Juli 2012, 15:13

Nein Aperdurus, häufiges Mähen hilft leider nicht. Dieses "alte Alkaloid" hat ganz erstaunliche Fähigkeiten, z.B. dass deren Samen um bis zu 40 Jahre ruhig liegen können - man sehe sich Autobahnbauten an... da ist es ganz erstaunlich offenkundig. Überall wo sehr grosse Erdbewegungen waren, hat das JKraut ene unglaubliche Kraft, sich umgehend zu vervielfältigen.

Einerseits hat eine so alte Pflanze ja einen gewissen Charme und sie erzählt uns etwas über die Natur. Es wäre aber fatal, zu unterschätzen, was solch eine alte Pflanze anrichten kann. Es ist ja, bei allem sehr schön, dass uns die Natur noch etwas "bietet" - uns noch das eine oder andere lernen lässt und Jakobskreuzkraut ist ein Paradebeispiel dafür, was "neue, moderne Menschen" notfalls nicht (nicht mehr) wissen.

Ich bin, in allem Respekt und vorhaltsfrei, etwas enttäuscht daürber, dass gelieferte Links wie z.B. in meinem Kommentar von gerade eben und früher, nicht einmal angesehen und gelesen werden. Sicher, Zweitmeinung ist immer gut, aber im vorliegenden Fall ist die Toxikologie rasch nachzufragen und zu klären. Daher: das grösste Problem sind Weiden, Gärten und Gartenränder. Die Pflanze etwa nur auszureissen hat schon ein mächtiges Risiko für die Gesundheit. Solche Dinge gibt es - einerseits erfreulich - auch heute noch, aber es wird mir rätselhaft bleiben, warum man den Daten nicht einfach nachgeht. Und für sich Schlüsse zieht.
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Brigitte
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Donnerstag 12. Juli 2012, 22:23

Hallo,
Jakobskreuzkraut sehe ich hier auch häufig an den Strassen- und Wegränder und wird leider ebenfalls nur abgemäht. Ob es auch auf den Weiden verbreitet ist, kann ich nicht erkennen. Aber könnte dieses Kraut der Grund dafür sein, dass ich immer wieder einmal ein verendetes Tier auf der Weide liegen sehe?

Seltsam dass dieses Schadunkraut auch in der Schweiz nie ein Thema war. Die allgemeine Öffentlichkeit wurde lediglich für die Auswirkungen der Beifussblättrigen Ambrosia auf die menschliche Gesundheit und durch Meldung von Funden aufgeweckt.

Gruss - Brigitte
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Aperdurus
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Freitag 13. Juli 2012, 07:27

Salut Amadeus,


Du wirfst mir vor:
Ich bin, in allem Respekt und vorhaltsfrei, etwas enttäuscht daürber, dass gelieferte Links wie z.B. in meinem Kommentar von gerade eben und früher, nicht einmal angesehen und gelesen werden. Sicher, Zweitmeinung ist immer gut,
Allgemein hat diese Bemerkung eine gewisse Berechtigung vielleicht, aber im untenstehenden Bericht der Landwirtschaftskammer NRW wird auch meine Aussage gestützt bezüglich des Mähens der befallenen Wiesen.
Ist bei flächenhaftem Auftreten ein Ausstechen nicht mehr möglich, sollte man einen Schröpfschnitt oder die Nachmahd der Weidflächen erst möglichst spät bei Blühbeginn vornehmen. Bei zu früher Nachmahd bleiben die Pflanzen zu vital. Untersuchungen aus der Schweiz belegen, dass mit zweimaliger Schnittnutzung, also jeweiligem Schnitt vor der Blüte, das Jakobskreuzkraut zurückgedrängt werden kann. Diese Beobachtung bestätigt sich übrigens auch an Straßenböschungen, die zweimal gemäht wurden.
Im Übrigen bin ich mir nicht einmal sicher, ob von dieser uralten, heimischen Pflanze tatsächlich so eine umfassende Gefährdung ausgeht, wie uns die Berichte im Internet glauben machen wollen. Ich habe den Eindruck, dass Profibauern ganz gut mit dieser Pflanze leben können, sonst hätten sie ganz bestimmt schon nach der Politik gerufen und /oder nach Subventionen. :mrgreen:

Nix für ungut und schönen Gruß aus der Drôme
Aperdurus

Trotzdem werde ich mich heute mal auf die Suche nach senecio jakobaea in meinem Garten machen.
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Amadeus
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Freitag 13. Juli 2012, 07:59

Guten Morgen zusammen:

Brigitte: in der Schweiz ist man seit vielen Jahren hoch sensibilisiert in puncto Jakobskreuzkraut. Google mit Zusatz Schweiz liefert eine sehr weiträumige Info zu den Massnahmen und Informationen.

Aperdurus: Nein, "Vorwurf", schon gar an Sie, war nicht beabsichtigt; Das Bagatellisieren des Jakobskreuzkraut und seinen Auswirkungen, ist aber auf jeden Fall ein Fehler. Ob tote Tiere, die Sie sehen damit in Zusammenhang stehen, vermag ich nicht zu beantworten, aber die Vielzahl von Untersuchungen, Studien - England ist da in meinen Augen vorbildlich tätig - sprechen für sich. In England z.B. ist das Kraut meldepflichtig und Landwirte etc., die nicht sachgerecht beseitigen werden angesprochen - u.a. - Roundup z.B.: nicht einmal in der vorschriftsmässigen Dosierung schafft Roundup das Zeug, die Mengen,die man benötigt sind unglaublich.

Insofern also ist auch das Abmähen fatal falsch. Mit Mundschutz und Schutzkleidung, mindestens aber Handschuhen, ausgraben. Das geht teils sehr sehr tief "runter" und dann in einem sep. Sack zum richtigen Müllplatz oder aber, verbrennen. Mundschutz nicht abnehmen. Kleidung etc. kochwaschen, Mundschutz - Handschuhe usw. mit verbrennen. So gehen wir hier vor und das schon immer.

Heu und Stroh: die Einkäufe so notwendig werden immer problematischer. Man kann schlecht einen Ballen mit 1,20 - 2,00 m Durchmesser öffnen. Daher ist es lohnend die Leute bei denen man kauft, zu kennen und dabei zu sein,wenn gemäht wird, mindestens aber die Wiesen ansehen.
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Bernd und Heide
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Samstag 14. Juli 2012, 12:38

Dank an euch alle für eure Mühe!
Es ist Johanniskraut in unserem Garten.

Salut, Bernd.
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Tonton
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Sonntag 15. Juli 2012, 17:05

Ich muss hier (als führender Lepidopterologe dieses Forums) hier jetzt mal die Reissleine ziehen, und einen entschiedenen Einspruch einlegen !

Das Jakobskreuzkraut ist eine einheimische Pflanze - die schon seit jahrtausenden zu keinen nennenswerten Schäden beigetragen hat !

Zum Problemfalle wurde diese Pflanze in Einzelfällen (ich betone: in Einzelfällen), nur durch die übertriebene Bioliebe einiger amateurhaften, selbstberufenen Grossstadtbauern !

Sowohl die moderne Feldwirtschaft, als auch die traditionelle Landwirtschaft (3-Felder Wirtschaft) hatten nie Probleme mit dieser Pflanze !

Besonders das wildgewordene Rumwütern der selbsternannten Pferde und Equidenschützerlobby, sowie stadtgerecht erzogenen Kleinstbiobauer (bei denen ja das Bio auch beim 4x4 aufhört), sind Schuld daran, dass dieses Kraut in einigen Gebieten zum Problemfall werden konnte !

Die machen nämlich genau das Falsche: ruppen bedingungslos jede Pflanze raus !
Und im nächsten Jahr haben sie dann den Salat !

Durch das rausruppen "erlegen" sie sozusagen den natürlichen Feind dieser Pflanze: den Jakobskrautbär !
Diese Art bildet lediglich 1 Generation pro Jahr. Wird der Zyklus gestört (massive Tötungsaktionen der Trägerpflanze) wird die Population komplett ausgelöscht !

Das Jakobskreuzklraut hat jedoch einen Lebenszyklus von 2 Jahren ! (man achte auf den Unterschied!).

Da reicht Euch eine Pflanze irgendwo im Unterholz, die überlebt - und im nächsten Jahr habt ihr hunderte von Sämlingen auf Eurer Wiese.

Und was meint Ihr wohl, was passiert, wenn Ihr im nächsten Jahr dann hunderte von Sämlingen da spriessen habt - und den einzigen natürlichen Feind der Pflanze den Todesstoss verpasst habt ???

Genau ! Eure Gäule & Kanickel geben am Ende vom Sommer mit einer Leberzirrhose den Löffel ab - Ihr seit um 1000 Euro Tierarztkosten ärmer (und ein paar Krokodilstränen reicher), und wenn Ihr Glück hattet, hat Euer Mann noch einen Punsch für die Nachbarschaft draus gebraut !

Gerade in Deutschen Lande triebt diese Unvernunft auch noch auf der Modelwelle der "ja so landliebenden Grossstädter, die sich unbedingt mit ihrem Ackergaul vergnügen wollen" dazu, dass der Jakobskrautbär in einigen Gebieten bereits auf der roten Liste der zum Aussterben bedrohten Arten gehört
(in Nordrhein-Westfalen wurde er bereits unter Schutz gestellt !)

Da sind wir schon beim nächsten Stichwort: Nordrhein-*Westfalen". Was sagt Euch das?
(neben zugekippten Kohlegruben, und Kölner Dom?) Nichts?

War ja klar !
Das ist Grossstadt ! Viel Grossstadt, synonym für: viele Besserwisser, die dem tradionellen Bauerntum in den Untergang treiben ! Und genug Freizeit haben, um sich Acker zu kaufen, um Ihre Lieblinge "hopp hopp hoppp", im Trab laufen zu lassen !
und sich dann noch eine 1 Euro ABM-Kraft vom Bürgermeister stellen lassen, um dem Jakobskkreuzkraut den Rest zu geben - und dann auch noch das Bild in den Medien und Internet vernebeln wollen (wie hier der Fall !)

Damit muss endlich Schluss sein ! Be'vor es zu spät ist.

Lasst das Kraut mal stehen, und die Natur regelt das von alleine.
Schickt besser den Gärtner wieder nach Haus, und holt Euch im Spätherbst den Schäfer oder den Ziegenhirt ins Haus !
Muss ja nicht immer der Esel sein, der den Job erledigt - Caprinae können 20x soviel vom dem Zeugs wegstecken - und zu der Jahreszeit wird der Hauptfeind der Pflanze nicht mehr gefährdet ! War ja auch schon immer so.... im Herbst und Winter zog der Schäfer mit seinen Zicklein von der Heide runter, über den Stoppelacker !

jetzt habt Ihr da Eure meterhohen Zäune drumgebaut, und sitzt darin eingeschlossen mit Eurem Pferdefeind ! Selbst Schuld.
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Grüsse aus der Südsee !
herbertp
Moderator
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Montag 16. Juli 2012, 11:05

Hallo Onkel Schmetterlingsammler,
Gratulation. Ein guter Beitrag, auch wenn ich Dir in vielem nicht zustimmen kann.
Die Lebensbedingungen haben sich geaendert.
In einer "gesunden Landwirtschaft", wie vor wenigen hundert Jahren, da war das alles kein Problem. Du sprichst selbst die " 3-Felder-Wirtschaft" an.
http://de.wikipedia.org/wiki/Dreifelderwirtschaft
Aber wenn Du das Prinzip der 3-Felder-Wirtschaft mal richtig betrachtest, dort hatte das Kreuzkraut gar keine Zeit, sich zwei Jahre in Ruhe zu entwickeln und zur Reife zu kommen. Und Brachflaechen wie heute, die jahrelang ungenutzt, nur der Unkrautvermehrung dienen, die gab es nicht. Da kam die Gaenseliesel mit ihrem Schnattervolk, der Ziegenpeter mit seiner kleinen Herde, der Schaefer nachdem die Felder abgeerntet waren. Die vielen (land)besitzlosen Heuerlinge machten sich ueber jeden "herrenlosen und unbebauten" Landstreifen her, um Futter fuer ihr Kleinvieh zu haben. ( Was haetten die sich gefreut ueber die vielen Randstreifen von Eisenbahn, Autobahn, Europa und Bundesstrassen ....) Nicht zu vergessen die Kraeuterhexe, die ( vielleicht das ihrige dazu beitrug, die Bevoelkerungsexplosion in Grenzen zu halten.)

Wenn ich mich auch oft genug in die Brennesseln setze, nur weil ich auch dem "kleinen Fuchs" ein Lebensrecht zubillige, um das Überleben von Equiden sicherzustellen, ist Wissen und Aufklaerung zu diesem Giftkraut mehr als notwendig.

http://www.landwirtschaftskammer.de/lan ... zkraut.htm
oder auch das 1,5MB pdf
http://www.landwirtschaftskammer.de/ris ... zkraut.pdf

salut
Herbert
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Piroschka
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Dienstag 17. Juli 2012, 17:10

Ich kam bei einem längeren Irlandaufenthalt erstmals mit der Pflanze in Berührung, dort ragwort genannt und schon seit den 30er Jahren als meldepflichtig geführt.
Sicher findet man in Frankreich auf den Seiten des INSV eher etwas über die Béribéri auf Mayotte denn über eine im Vergleich relativ harmlose Pflanze.
Wer unlängst im frz. Fernsehen den Film « Soldat Ryan » sah, konnte Schauspieler durch ein riesiges gelbes Feld mit blühenden Jakobskreuzkrautpflanzen - Blüten – in der Normandie schleichen sehen. Hätte die Filmindustrie nicht gerichtsmedinische Kleidung, Mundschutz und Handschuhe vorsehen müssen angesichts der hohen Versicherungssummen und Risikoausschlüsse seitens der Versicherungen, wenn es nach Vorstellung eines hiesigen Schreibers ginge? Dann hätte es diese Filmpartie nicht gegeben.

Mir taten schon in Irland die Schmetterlinge leid:
Nr. 10607 ist auf das Kraut angewiesen, wie viele andere auch:

http://www.schmetterlinge-westerwald.de ... t_gewaehlt


Haben Schmetterlinge nicht die gleiche Lebensberechtigung wie ein Pferd? Warum muß sich der Mensch überall in die Natur einmischen?

Was ist das für ein Aktionskreis, der hier von interessierter Seite zu einem Institut hochstilisiert wird?
Es sind Frauen, die Pferde besitzen, aber offensichtlich nicht genug Land, so daß die Böden nach und nach mager werden, ausgelaugt sind und das Kraut sich verbreiten kann. Sie gründen unter dem
Dach des Tierschutzgesetzes einen Verein, der ihnen erlaubt, alle Eigenausgaben als Spenden zu deklarieren und damit dem Steuerzahler aufzubürden.
Sie haben auf ihrer Seite einen Abschnitt « Humangefährdung »
Da fällt mir erneut der Presse-Hype auf, den vor einigen Jahren jemand aus jener Szene losgetreten hat, der behauptete, in vorgeschnittenem Ruccola-Salat aus dem Supermarkt ein Blatt Jakobskreutzkraut gefunden zu haben. Was war das für ein angezetteltes Theater, um die Öffentlichkeit zu mobilisieren. Schlimmer als die Jagd auf einen « Sittenstrolch » - hochwirksam.

Dann das Imponieren durch Fremdwörter: sie schreiben nicht, daß die Schädigung durch das Alkaloid zunehmen kann, wenn man dem Körper mehr davon zuführt, nein! Es heißt « progredient fortschreitend », oh weh! Das muß man erst googeln, um zu sehen, dass es doppelt gemoppelt ist!
Ich jedenfalls!
Was wirft man der Pflanze vor? Daß sie Alkaloide enthält, das tun aber viele: Rhododendron, Kamelien usw.
Auch Ginster, und Ginster war früher in Westfrankreich das Winterfutter für die Arbeitspferde. Er wurde in den Granit-Auges gestampft und die Pferde wurde 25 Jahre alt! So sagen mir ältere Bauern.

Und immer wieder sehe ich auf Weiden oder auf Brache, daß Rehe die Blüten der Pflanze fressen, obwohl es keine Zwangsfütterung ist. Freunde sagen mir, daß Stiele und Spreu von Kreuzkrautblättern durchaus von Rindern und Pferden gemieden werden, also auch, wenn es sich um Heu handelt.

Über hepatotoxische Akaloide kann man sich übrigens sehr gut in der Veröffentlichung der WHO informieren: etwa in EHC 80 (Environmental Health Criteria 80), 1.2. Sources and Chemical Structure über « Pyrrolizidine Alkaloids »

Sehr bedenklich wird es, wenn auf der Seite des Aktionskreises die Rede ist von einer « tödlichen Dosis », man verlinkt eine Schweizer Seite als Quelle, die aber ihrerseits – für den normalen Leser nicht nachvollziehbar – sich auf eine Veröffentlichung von JOHNSON bezieht!
Wie gesagt, JOHNSON! A. E. JOHNSON hat 1982 einen kurzen Aufsatz veröffentlicht, der als Grundlage aller Behauptungen für die hohe Gefährlichkeit dient: « Failure of mineral-vitamine
supplements to prevent tansy ragwort (Senecio jacobaea) toxicosis in cattle » in: American Journal of Veterinary Research, Bd. 43 (1982), S. 718 – 723.

http://en.wikipedia.org/wiki/Senecio_jacobaea

Nun ist Tansy Ragwort nur eine Art des Kreuzkrauts! Nämlich Jacobaea vulgaris.

Ein Asterngewächs! Und was machen wir mit den anderen?
Allein diese Art aber dient 77 Insektenarten als Nahrungsquelle und 177 Arten als Nektarquelle! Wollen wir diese alle einigen Pferden opfern und ausrotten, indem wir die Kreuzkräuter vernichten? Reden wir nicht ständig vom Artensterben?
Welche Hybris der Menschen, die zu diesem Kampf angetreten sind.

Das Anliegen JOHNSONs war lediglich, auszuprobieren, ob er durch mineralsiche Vitamingaben als Zusatzfutter eine Jacobaea-Vergiftung stoppen könne. Konnte er nicht.

Denn es handelte sich um eine Zwangsfütterung, die er vorher vornahm.

Die angeblich letale Dosis will ich noch einmal genauer unter die Lupe nehmen.
Bis dahin schließe ich mich den Vorrednern Aperdurus, Herbert und Tonton an, insofern ich sie richtig verstanden habe.
In der geeigneten Jahreszeit streue ich übrigens durchaus vom Auto aus in Gegenden mit starken Monokulturen wie der Champagne Samen vom Jakobskreuzkraut aus.
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herbertp
Moderator
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Dienstag 17. Juli 2012, 21:58

In der geeigneten Jahreszeit streue ich übrigens durchaus vom Auto aus in Gegenden mit starken Monokulturen wie der Champagne Samen vom Jakobskreuzkraut aus.
Bonjour Piroschka,
wohin darf ich Dir einen Zentner Honig schicken? Champagne? Bretagne :?:
http://www.taz.de/t16/Alarmierende-Honig-Studie/!77426/
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/ ... t/1539520/
salut
Herbert
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Piroschka
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Mittwoch 18. Juli 2012, 07:19

herbertp hat geschrieben: Champagne? Bretagne :?:
salut
Herbert
Selbst Champagne wäre noch schön :) , aber der Konzern mit dem grossen N, der mich herumtreibt, sitzt in der Suisse romande. So bin ich (fast) immer auf Achse :evil:

Den Artikel in der TAZ habe ich gelesen, aber bis zum Ende! Und auch die Leserkommentare.
Na, da sind Lobbyisten am Werke, davon verstehe ich auch etwas.
Abgesehen davon, daß ich nie Honig essen würde, kann man bei entsprechender Suche sicher auch Dieselrückstände oder Kleidungsfasern der Imker darin finden.
Auch dafür gibt es keine Grenzwerte, wie ich aus unseren Labors weiß. Ich nehme das alles sehr locker!
Gruß
Piroschka
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