Webdesign: Gewerbe oder freiberuflich - Sozialvers.

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anjstr
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Dienstag 30. November 2004, 14:46

Hallo Ihr Frankreichkenner,

eigentlich wollte ich alles ganz ruhig angegehen lassen: hier in D zum Jahresende mein Gewerbe abmelden, im Januar "in Ruhe" umziehen, die Wohnung renovieren, den Sommer genießen und mich dann im Herbst im Bereich Webdesign/Werbung selbständig machen und mich auf den "französischen Markt stürzen". Und das natürlich alles so gut wie möglich vorbereitet ...

Aber so wie es aussieht, kommt alles viel schneller und ganz anders. Momentan sind hier einige Kunden in der Warteschleife, die mir für Anfang nächsten Jahres Aufträge "angedroht" haben, die ich natürlich äußerst ungern ablehne.

Darüber hinaus plane ich hier in D mit einer Kollegin ein gemeinsames Web-Projekt, mit Tätigkeitsschwerpunkt in Deutschland, was ich aber von Frankreich aus bearbeiten kann.

Dass man auch in Frankreich als Freiberufler Gewerbesteuer zahlen muss und Krankenversicherung etc. Pflicht sind, habe ich schon mitbekommen.

Soviel zur Vorgeschichte. Und nun zu meinen Fragen.

Kann man als Webdesigner/Werbemensch freiberuflich arbeiten oder muss man eine micro-entreprise oder was auch immer anmelden? (Macht das eigentlich einen großen Unterschied? Ich meine, ich hätte irgendwo gelesen, das Werbeagenturen auch freiberuflich zu führen sind.

Wie ist das in F mit der Umsatzsteuer? Kann ich als Freiberufler oder Micro-Enteprise Umsatzsteuer auf Rechnungen ausweisen? Eine UIdent-Nr. wäre schon essentiell, da meine Kunden im wesentlichen Unternehmer sind und sich die Vorsteuer natürlich beim Finanzamt zurück holen möchten und wahrscheinlich keine Lust haben, den französischen MwSt.-Satz zu bezahlen, wenn ich die Mwst. nicht auf der Rechnung ausweisen kann.

Gibt es bei der Sozialversicherung irgendwelche Freibeträge für Mini-Unternehmer? Ich erinnere mich dumpf, dass ich irgendwo etwas von einem Mindestumsatz von ca. 7000 EUR gelesen hätte, bloß kann ich das leider Gottes nicht mehr finden. Ich habe nämlich keine Lust, ganz tief in die "Sozialversicherungstasche" zu greifen, um dann nach einem Jahr festzustellen, das das Ganze etwas zögerlich anläuft, was ja durchaus mal sein kann ...

Und zuletzt (dann höre ich auch endlich auf): Kann ich für das Projekt mit meiner Freundin eine "Niederlassung" z. B. in Form einer GbR in Deutschland betreiben, wenn unsere Familie ihren Steuer-Wohnsitz in Frankreich hat? Muss ich für diese Niederlassung auch in Frankreich selbstständig sein? Diese Fragen konnten mir leider weder Finanzamt, noch Existenzgründungsberater der IHK noch ein Steuerberater beantworten, so dass ich etwas auf dem Schlauch stehe ...

Falls Ihr diesbezüglich irgendwelche Erfahrungen haben solltet, und mir ein wenig auf die Sprünge helfen würdet, ist Euch mein ewiger Dank ;-)

Liebe Grüße aus dem Ruhrpott, der heute gar nicht so grau wie sonst ist.

Anja
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Wolfgang
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Dienstag 30. November 2004, 17:45

Hallo Anja,

hier wird hauptsächlich zwischen Personengesellschaft oder Kapitalgesellschaft unterschieden. Das Micro-Entreprise ist dabei eine relartiv neue Form der Personengesellschaft. Als Freiberufler wirst Du nicht anders besteuert wie beispielsweise ein selbständiger Handwerker.

Als Micro-Entreprise kannst Du übrigens keine USt ausweisen,
als normale Gewerbetreibende oder Freiberuflerin wohl.
Das Ganze hat allerdings einen Haken: Du wirst trotz vorhandener USt-IDs nicht umsatzsteuerfrei nach D berechnen können, da Du keine Waren bewegst, sondern Dienstleistungen verkaufst.
Deine Kunden können die Vorsteuer nicht mit dem deutschen Finanzamt verrechnen, sondern die Rückzahlung über irgendein Büro in (Saarbrücken ??) beantragen.

Die Abgaben betragen etwa 15-22 % vom Gewinn.

Die Gewerbesteuer zahlt nur, wer am 1. Januar gewerblich aktiv ist. Gründest Du erst zum 2. Jan, zahlst Du ein Jahr nichts.

Der Freibetrag bei der URSSAF beträgt nur 4.012 Euro, nicht 7.000.

In jedem Fall musst Du die gewerbliche Aktivität innerhalb von 8 Tagen beim CFE (Centre de Formalités des Entreprises) oder - wenn Du als Freiberufler arbeiten willst - bei der URSSAF anmelden.

Ach ja - natürlich kannst Du in D eine GbR betreiben, egal, ob Du in F selbständig bist oder nicht.

Viel Glück.
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Eve
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Dienstag 30. November 2004, 18:56

Salut!

Wenn du mehr wissen willst zum Thema Freiberufler schau mal bei http://www.motamot.com rein
in dem forum wird relativ schnell geantwortet

Ansonsten hab ich noch ein paar links (freelance, portage)

http://www.motamot.com/zoompages/index.html

Qques article qui résument l'intérêt du portage :
http://www.lentreprise.com/dossier/296.html
http://management.journaldunet.com/doss ... 09portage/
http://juristprudence.online.fr/portage.htm
http://www.optioncarriere.com/le_portage_salarial.htm
http://management.journaldunet.com/0410 ... tage.shtml


Principes, modalités, revenus, annuaires,... :
http://www.guideduportage.com
http://www.e-portage-salarial.net/rubrique24.html

Plusieurs sociétés de portage :
http://www.optioncarriere.com/le_portage_salarial.htm

Le portage pour les Free-lanceurs :
http://www.freelance-europe.com/fr/portage1.html


Während meines Studiums wollte ich nebenbei den Status Independant annehmen, für Übersetzungen etc. da man aber pro Trimester 250 euro zahlen muss und meine Einkünfte ganz unregelmässig waren hab ich es sein gelassen.
Wir haben dann mit meinem Freund eine Firma gegründet (Webdesign/Übersetzungen)

Als Webdesignerin kannst du dich bei der maison des artistes anmelden (ein Freund von uns arbeitet als Indep Webdesign und ist auch bei der maison des artistes)

http://www.secuartsgraphiquesetplastiqu ... a_01a.html

Liebe Grüsse und viel Glück!
eve

(Ansonsten direkt bei Urssaf anrufen, wenn du Zeit hast, lies dir die Beiträge im Forum von motamot durch, dadruch hatte ich die meisten infos bekommen)
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Gero
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Dienstag 30. November 2004, 21:40

Hallo,
hier sind schon viele und gute Informationen, deshalb möchte ich nicht überfrachten.
Bin lediglich mit einer Aussage von Wolfgang nicht einverstanden: man kann sehr wohl mit einer USt-ID steuerfrei nach D berechnen (an Unternehmen), obwohl man keine Waren bewegt. Habe ich jahrelang mit Dolmetsch- und Übersetzungsdienstleistungen ohne jegliches Problem gemacht.

Anderer Tipp im Nachhinein (bin wieder in D): man sollte die Anmeldung wirklich machen, wenn der Laden läuft.
Die Abgaben im ersten Jahr sind der Hohn (ich wurde nach Realeinnahmen besteuert), dafür ist der Schock im 2. Jahr umso heftiger, da -logischerweise- die Einnahmen im ersten Jahr ohne Abgaben ziemlich hoch ausfallen. Diese hohen Einahmen dienen dann als Grundlage zur Berechnung, und das hat manch einem das Genick gebrochen. Ergo: Geld zurücklegen.

Wichtig auch: einer "Association de gestion agrée" beitreten, dann gibts mal 20% Nachlass bei der Besteuerung und das kann eine Menge Geld bedeuten. Dafür verpflichtet man sich eben eine ordentliche Buchführung zu halten, was nicht ohne ist und je nach dem die fachkundige Hilfe eines Steuerberaters braucht..(Meine Erfahrung dennoch: es zahlt sich aus, wenn man einen guten Steuerberater ausfindig machen kann.. )

Darüberhinaus hängen die Auskünfte der URSSAF auch von der Person ab. Manch einer kann wirklich weiterhelfen, während andere null Ahnung haben..einfach ausprobieren.
Gruß
Gero
Zuletzt geändert von Gero am Dienstag 30. November 2004, 21:44, insgesamt 1-mal geändert.
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anjstr
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Donnerstag 2. Dezember 2004, 23:11

Hallo Ihr Lieben,

Danke, danke, danke, dass Ihr Euch so viel Mühe gegeben und Zeit genommen habt, mich mit Infos zu versorgen!!! Das hilft mir ja schon wirklich weiter. 1000 Dank!

@Eve: durch Deine umfangreiche Linksammlung werde ich mich mal am Wochenende in Ruhe klicken.

Nun denn, da muss ich auf meine alten Tage doch noch einmal unter die Existenzgründer gehen ... als wäre eine Existenzgründung für mein "zartes Gemüt" nicht genug gewesen.

Liebe Grüße vom Sofa (das glücklicherweise weder auseinander geschraubt ist noch bei Ebay vertickt wird)

Anja
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textspecht
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Sonntag 5. Dezember 2004, 21:34

Salut,

auch von mir besten Dank für die Tips von Wolfgang, Gero und vor allem von Eve, die offenbar zu 1001 Themen immer einige hilfreiche Links kennt.
Ich habe meine freiberufliche Tätigkeit (Konzeption, Text, Redaktion für Werbung, PR und Presse) in Deutschland mit dem 55. Lebensjahr offiziell beendet und mich zwei Jahre lang auf Ausbau und Marketing unseres Gästehauses konzentriert. Inzwischen geht es mir wie Anja: deutsche Kunden "drohen" weiterhin mit Aufträgen, für die ich die bestmögliche legale Basis finden muß.

Das micro-entreprise (Kleinst-Unternehmen, frz. "Ich-AG"), das mir ein expert comptable (in etwa: Steuerberater) vorschlug, scheint mir äußerst diffus:
> keine Vorsteuer-Abzugsberechtigung,
> keine Möglichkeiten zu abschreibungsfähigen Investitionen,
> sehr niedrige Maximal-Einnahmen bei (je nach Branche)
teilweise hohen Leistungen für Steuern/Sozialabgaben.

Für meine Branche (die wohl auch für Anja gilt) nannte man mir als micro-entreprise ein Rechnungslimit (Einnahmen) von max. 22. oder 24.000 Euro und 48 % Abgaben pro Jahr.
Für ein Gästehaus, das als micro-entreprise betrieben wird, soll das Max-Limit hingegen bei interessanten 74.000 Euro Einnahmen und nur 28 % Abgaben p.a. liegen.
Aus dieser Logik soll schlau werden, wer will.

Wer ernsthafte Umsätze macht und ständige Investitionen zu tätigen hat (Raumkosten und Ausstattung fürs Büro, ständige Computer-Innovationen, Geschäftsfahrzeug, Kundenbesuche etc. pp.), dürfte längerfristig wohl mit einer regulären, buchhaltungspflichtigen Betriebsform besser bedient sein. Auch wenn der Verwaltungsaufwand und Beratungsbedarf (durch frz. Experten) zweifellos höher ist oder Geschäfts-Kfz (im Gegensatz zu Privatfahrzeugen) besteuert und z.T. anders versichert werden.
Denn wenn man als micro-entreprise im Beratungs-Sektor nur 24.000 Euro/Jahr berechnen kann und nach Abzug nur 12.000 Euro/Jahr netto übrig bleiben, ist einfach kein realistischer Geschäftsbetrieb möglich.

Anja und Eve haben da zwei sehr interessante Möglichkeiten aufgezeigt. Anja durch die Idee der FR-Niederlassung einer GbR mit DE-Kollegen/Partnern, Eve mit dem Hinweis auf http://www.motamot.com
Wenn ich motamot richtig verstanden habe (andernfalls bitte ich um Korrektur, merci), dann gibt es für Freiberufler dort die Möglichkeit, einem Verband beizutreten, der offiziell die Geschäftsführung innehat und angeschlossenen Freiberuflern einerseits den Sozialversicherungs-Status von Angestellten sichert, ihnen andererseits aber volle Freiheit in der Betreuung ihrer Kunden beläßt.

Der Freiberufler-Status, wie wir ihn aus DE kennen (u.a. keine Gewerbesteuer, Befreiuung von Sozialversicherungen etc.) ist in FR definitiv nicht möglich. Das frz. System ist grundsätzlich auf soziale Sicherheit für alle ausgerichtet, ob man die selber nun sucht oder will oder lieber nicht.

Ein Fazit aus Anjas Überlegungen und Eves Hinweisen: Wer in Frankreich als Dienstleister (auch) für deutsche Kunden arbeiten möchte, sollte sich unter seinen besten Kunden in DE umhören, wer da ggf. bereit ist, eine FR-Niederlassung zu gründen. In der Vertragsgestaltung ist dann sicher einige Kreativität gefragt, aber praktisch kann das laufen.

Kostenlose Erstinformation über mögliche Rechtsformen und ihre Voraussetzungen bzw. Konsequenzen bietet die Website http://www.schmeltz.fr -- Hinter dieser Adresse steht eine zweisprachige, deutsch-französische Gruppe für Steuerrecht und Unternehmensberatung mit Büros in Saarbrücken, Colmar und Mulhouse. Vorteilhaft: Solche Fachleute können einem die Unterschiede und Eckpunkte zum FR-Steuerrecht (das man ja meist in der eigenen Muttersprache kaum begreift) sehr klar und deutlich erläutern, also zuverlässige Entscheidungshilfen liefern.
Die eigene Entscheidung können sie, kann einem niemand abnehmen.

@Anja et al.: (Zitat) »...den Sommer genießen und mich dann im Herbst im Bereich Webdesign/Werbung selbständig machen und mich auf den "französischen Markt stürzen".«
Wenn Du bereits FR-Kunden hast, herzlichen Glückwunsch! Ansonsten vergiß bitte nicht, daß der FR-Markt nicht unbedingt darauf gewartet hat, von Webdesignern, Textern oder anderen Kreativen aus Deutschland beglückt zu werden. Was Franzosen als gelungenes Design akzeptieren, rollt deutschen Gestaltern nicht selten die Fußnägel hoch. Meine Angebote, die DE-Texte auf namhaften, offiziellen Websites unserer FR-Region auch kostenlos zu bearbeiten, in klares Deutsch zu adaptieren, blieben samt und sonders ohne Echo.
Erhoff Dir auf dieser Ebene lieber nicht zuviel, Anja.

Soweit im Moment. Mehr bei Bedarf hier im Forum oder über Private Message oder eMail.

Toi-toi-toi, beste Wünsche,

Heinz-Günter
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Gero
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Sonntag 5. Dezember 2004, 22:27

Ich hatte mich mit der Option wie bei "motamot" beschrieben auch mal kurz beschäftig, hab es aber dann nie richtig in die Tat umgesetz...(es lief auch so...)
Eigentlich habe ich dabei immer den Haken gesucht, denn die machen das nicht aus Nächstenliebe, das ist klar !
Vielleicht ist der Haken, jener der in dem Link "Freelance europe" ausgesprochen bzw. geschrieben wird:
Ne reste en réalité au freelance 'porté' que 30 à 35 % de son chiffre d'affaires, à comparer aux 50 % réalistes pour un freelance déclaré : on ne peut pas faire l'économie de 15 % de cotisations sociales, de la commission de la société et des frais de fonctionnement ...
Wer am Anfang steht, sollte trotztdem drüber nachdenken
Gruß
Gero
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Wolfgang
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Montag 6. Dezember 2004, 11:10

Hallo zusammen.

@Heinz-Günter
Du hast Recht, ein Micro-Entreprise ist nicht unbedingt geeignet, eine Vollexistenz zu finanzieren, für einen Nebenberufler aber vielleicht geeignet.
Die verschiedenen Umsatzlimits hängen dabei übrigens von der Art des Geschäfts ab (27000 Euro bei Dienstleistung, 76300 Euro bei Handel).


@Gero
Stimmt, unter Umständen kannst Du Dienstleistungen tatsächlich USt-frei an ein ausländisches Unternehmen berechnen. Dabei ist wichtig, wo die Dienstleistung erbracht wurde. Bei der Erstellung von Software gilt die Dienstleistung als am Sitz des Kunden erbracht und ist damit USt-frei. Ich habe einem deutschen Kunden Verzugszinsen USt-frei berechnet und dafür heftigen Ärger mit dem französischen Finanzamt geerntet (Zinsen z.B. gelten steuerlich als Dienstleistung und als am Sitz der eigenen Firma erbracht). Die Wahrscheinlichkeit von Kontrollen scheint mir im Moment ziemlich hoch, wenn man relativ viele EG-Umsätze produziert (ich selbst hatte 2 Steuerprüfungen innerhalb von 5 Jahren). Also unbedingt vorher genauestens informieren, ein 'redressement fiscal' kann teuer und unangenehm werden.


Ich kann nur empfehlen, ein Maximum an kostenlosen Hilfen und Erleichterungen in Anspruch zu nehmen. Das kann zum einen durch eine geschickte Standortwahl geschehen (zur Not auch nur für den „Briefkasten“); im Idealfall ist die Firma danach für mehrere Jahre von der Zahlung von Gewerbesteuer, Sozialabgaben und der Gewinnbesteuerung befreit.
Interessant ist auch das „dossier ACCRE“: Gründet man eine Firma zu einem Zeitpunkt, zu dem man entweder berechtigt ist, Arbeitslosengeld zu beziehen oder zumindest einen Tag lang Sozialhilfe bezogen hat, trägt der Staat ein Jahr lang die Sozialabgaben und erlässt die Gewerbesteuer.


Tja, man könnte tatsächlich Skrupel haben, einige dieser Hilfen in Anspruch zu nehmen (z.B. über Sozialhilfe), sollte dabei aber bedenken, dass sich die Situation spätestens dann dramatisch ändert, wenn man als Selbständiger ein angemessenes Einkommen hat.
Verbraucher und Arbeitnehmer gelten in F als sehr schutzbedürftig, Selbständige dagegen schon eher als Ausbeuter, die bevorzugt zur Finanzierung des teuren Staates beitragen müssen.

Weitere Infos:
http://i.ville.gouv.fr/divbib/doc/chercherZUS.htm
http://www.apce.com


Grüsse,
Wolfgang
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Carola
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Montag 6. Dezember 2004, 15:18

Wie von Wolfgang bereits korrigiert, darf man als angemeldete "microentreprise" 27000 Euro verdienen, hat allerdings keinerlei MÖglichkeit der Abschreibung.
Sich als Freiberufler solch dubiosen Unternehmen wie "mot-a-mot" (auf deren Webseite ich allerdings immerhin kostenlos meine Dienstleistung anbiete!) oder gar "Blenner Stratégies" in die Hände zu geben halte ich für glatten Selbstruin! Denn wie Gero ganz richtig schreibt: aus Nächstenliebe bieten die ihre Dienstleistung nicht an, sondern streichen sich saftige Anteile der Umsätze ihrer Freiberufler ein! Und das alles unter dem Deckmantel "man nimmt Dir ja alles aus der Hand, Du musst nichts mehr machen"! Von wegen! Deine Kunden suchen sie Dir nicht, das bleibt nach wie vor Dir selbst überlassen!
Und das ist es doch eigentlich der springende Punkt: hast Du Kunden, hast Du Umsatz....wozu sollte ich dann die Dienstleistung von "Portage-Firmen" in Anspruch nehmen?
Von der "microentreprise" habe ich mich aber inzwischen auch verabschiedet, diese Unternehmensform halte ich für ein Verlustgeschäft für jeden Freiberufler. Zumindest dann, wenn man von sich sagen kann, dass man genug Kunden hat. Und da sehe ich hier in F keine großen Probleme, wobei das wohl auch noch branchenbedingt ist...

Gruß,
Carola
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HeinBlöd
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Montag 6. Dezember 2004, 17:32

Hallo !

Die besten Infos hab ich von Chambre des Métiers bekommen.
Jeder , der in Frankreich eine Firma anmeldet kann/muss dort die "Stage du Gestion" machen, in der bei uns die einzelnen Punkte zu Micro oder reel ganz gut erklärt wurden.
Zumindest im Handwerk sind die sozialabgaben bei beiden gleich , wennn man nicht über 50 ist oder mindestens 6 Monate in F arbeitslos war.
Bei der micro verliert man aber z.B die Ermässigung bei den Einkommensteuern , die ( ich glaube noch bis 2005) bei der "reel" im ersten und zweiten Jahr 100 % , im dritten 75 % , im vierten 50 % und im fünften Jahr 25 % betragen.
der volle Satz ist erst im sechsten Jahr fällig.
Ich habe die Merkblätter , soweit noch vorhanden , zu Abschreibung , Kosten, Sozialabgaben u.s.w mal eingescannt und unter http://www.eadata.net abgelegt .
Ich hoffe die Qualität geht noch .Am besten runterladen und vergrössert ansehen.
Jens
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Freitag 10. Dezember 2004, 03:25

Wolfgang schrieb
Verbraucher und Arbeitnehmer gelten in F als sehr schutzbedürftig, Selbständige dagegen schon eher als Ausbeuter, die bevorzugt zur Finanzierung des teuren Staates beitragen müssen.
Das ist offenbar ein ständig wachsendes Problem in F wir der gesamten EU. Wenn man als Dienstleister mit max. 27.000 € Einnahmen p.a. mit 48 % Abzügen belegt wird und keine Investitionen geltend machen kann — dann ist doch klar, daß der Micro-Entrepreneur nach kurzer Zeit auf dem Sozialamt steht. Das ist doch programmiert.
Simple Rechnung: 27 Mille minus 48 %, bleiben 14.040 €, pro Monat also 1.170 € pro monat. Wer will davon leben, Miete zahlen, sein berufliches Telefon, Auto, den Computer usw. unterhalten bzw. ersetzen? Oder gar Geschäftsreisen machen? Das alles ist praktisch unmöglich.
Das micro-entreperise ist eine politische Mogelpackung. Der micro-entrepreneur im Dienstleistungsbereich ist binnen kurzer Zeit einfach ausgeblutet.

Heinz-Günter
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Wolfgang
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Freitag 10. Dezember 2004, 09:50

Naja, ganz so schlimm ist es nicht, die Rechnung ist etwas anders; du kannst zunächst einen Freibetrag abziehen, der beim micro-entreprise 37% beträgt:

Also 27k minus 37% macht 17k, davon 48% abgegeben bleiben rund 18500, d.h. rund 1540 Euro pro Monat.
Das ist verflucht wenig als Unternehmerlohn, aber immer noch mehr als das monatliche Gehalt von 80% der Arbeitnehmer.

Natürlich darfst du mit deiner Firma mehr erwirtschaften und musst in einem guten Geschäftsjahr nicht ab September in Zwangsurlaub, um die 27k nicht zu überschreiten. In dem Fall darfst du die vereinfachte Buchführungs- und Abgabenregelung ab Oktober nicht mehr anwenden.

Micro-entreprise ist keine Gesellschaftsform, eher ein Zustand.
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HeinBlöd
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Freitag 10. Dezember 2004, 12:42

Wolfgang schrieb

Micro-entreprise ist keine Gesellschaftsform, eher ein Zustand.
Fast - Micro entreprise ist keine Gesellschaft sondern nur eine Art der Besteuerung
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textspecht
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Samstag 11. Dezember 2004, 03:15

Zitat Wolfgang: "Also 27k minus 37% macht 17k, davon 48% abgegeben bleiben rund 18500, d.h. rund 1540 Euro pro Monat.
Das ist verflucht wenig als Unternehmerlohn, aber immer noch mehr als das monatliche Gehalt von 80% der Arbeitnehmer."
Zitat Ende.

Gut, dann bleiben nach Deiner Rechnung (hoffentlich folgen der auch die hiesige Behörden...!) also 1540 statt 1170 Euro. Aber was ändert das am Prinzip? Das ist noch lange nicht dein Lohn, denn davon mußt Du noch sämtliche Investitionen abziehen, von Telefon und Druckertinte bis zu Geschäftsreisen und Kundenwerbung. Das kannst Du rechnen, wie du willst, nach kurzer Zeit bist Du als micro-entreprise einfach verhungert, ausgeblutet. Eben weil Du Deine Investitionen nicht geltend machen kannst. Und die hast du nun mal, egal ob du haupt- oder nebenberuflich (was ist das denn?) tätig bist. Der tägliche Betrieb, wie groß oder klein auch immer, kostet halt Kohle. Und wenn du das steuerlich nicht abziehen kannst, dann stehst du als Dienstleister früher oder später auf dem Schlauch.

Dieses Gesetz ist geschaffen von Leuten und für Leute, die Umsatz und Gewinn nicht unterscheiden können.

Ich habe geschlagene zwei Jahre gebraucht, um das zu begreifen. Weil ich naiverweise annahm, im sozial orientierten Frankreich könne es doch kein Gesetz geben, das Kleinbetriebe und Freiberufler derart belastet.
Aber es ist so.
Das Blöde ist, wenn du dich einmal für eine ernsthafte Unternehmensform entschieden hast, gibt es praktisch keinen Weg zurück, auch wenn die Umsätze sinken.

Wie gesagt: Das micro-entreprise ist in meinen Augen die Mogelpackung der Nation (ähnlich der deutschen "ICH-AG", deren Rechnung auch nicht aufgehen kann). Ich werde künftig wieder alle Ausgabenbelege sammeln (auch wenn das oft eher Erstaunen erregt), und meinen "Bauchladen" regulär nach Einnahmen und Ausgaben abrechnen. Nur so sehe ich realistische Chancen auf ein klares, den Gegebenheiten gerechtes System.

Nebenbei, vorsorglich: Das alles ist keine Kritik an Frankreich. Meine Partnerin und ich kennen kein Land, in dem wir lieber leben würden. Aber gerade darum erlauben wir uns zu bestimmten Punkten unsere Meinung.

Gruß, Heinz-Günter
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Wolfgang
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Sonntag 12. Dezember 2004, 10:04

@Heinz-Günter: Ich bin vollkommen Deiner Meinung, wenn Du feststellst, dass ein micro-entreprise in den meisten Fällen nicht die richtige Lösung ist.
Trotzdem sind Situationen denkbar, in denen es Sinn macht, z.B. bei einem Angestellten, der nebenbei mit wenig administrativem Aufwand und ohne hohen Kapitaleinsatz selbständig und legal noch was dazuverdienen will.
Du gehst bei Deinen Betrachtungen nicht von der gängigen Praxis aus. Ich kenne eine Menge von Menschen, die mit ihrem micro-entreprise zufrieden leben wie z.B. mein arabischer Nachbar mit seinem ‚dépôt de pain’.
Falls Du ein grösseres Rad drehen willst, musst Du eine passende Form dafür finden; die sollte sich dann aber auch nicht micro-irgendwas nennen.

Grüsse aus dem sonnigen Nizza,
Wolfgang
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Montag 13. Dezember 2004, 03:48

@Wolfgang: Ich will weißgott kein "größeres Rad drehen", sondern nur meine Existenz als Freiberufler der schreibenden Zunft weiterführen. Und in diesem Metier wollen eben alle Kunden Rechnungen sehen.
Das ist doch der Knackpunkt, an dem sich Erfolg oder Mißerfolg der micros entscheiden.

Für ein reguläres Geschäft, gerade auf der B2B-Ebene, ist das micro ein Schuß ins Knie. Wer Investitionen nicht offiziell abschreiben kann, nährt doch potentiell nur wieder die Schattenwirtschaft. Und fällt früher oder später doch wieder staatlichen Sozialversorgung auf den Beutel, weil das micro-System eben nicht hinreichend durchdacht ist.

Wenn man das micro als Möglichkeit zum halblegalen Beschiß sieht, mit dem Hausfrauen und Angestellte im Nebenjob noch zusätzliche Kohle machen können, hast Du sicher recht.
Aber darum kann es ja wohl nicht gehen, oder?

Gruß, Heinz-Günter
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Wolfgang
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Montag 13. Dezember 2004, 08:51

Ok, Hans-Günter, das micro ist für Dich nicht geeignet. Für mich übrigens auch nicht, für andere vielleicht doch.
Wenn Du das micro trotzdem wählst, ist das kein Fehler im System, sondern Deine persönliche Fehlentscheidung.

Dein Rechtsverständnis finde ich allerdings etwas wirr, wenn Du Menschen, die sich aus irgendwelchen Gründen eine legale und selbständige Zweitbeschäftigung aufbauen wollen, BESCHISS unterstellst.

Genau das machst Du doch offenbar auch, nämlich zwei verschiedene Tätigkeiten parallel. Ist das auch Beschiss in Deinen Augen ? Aber darum geht es ja hier wirklich nicht, oder ?

Falls Du - wie es scheint - die falsche Form für Deine Firma gewählt hast, kannst Du das ja für die Zukunft korrigieren und ausser einer gemachten schlechten Erfahrung ist alles gut.


Viel Erfolg dabei,
Wolfgang
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HeinBlöd
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Montag 13. Dezember 2004, 15:00

HAllo allerseits,

Es gibt nicht " die Micro-Entreprise" , sondern das ist alles wie gesagt nur eine Form der Besteuerung .
Es gibt verschiedene Freibeträge für Handel, Dienstleistungen ,Freiberufler, Bauwesen usw.
Ausserdem gibt es auch die Version "non professionell" , die für Leute ist , die z.B. nebenher Zimmer vermieten oder Rentner sind .
" Les niveaux d'abattement ne sont pas toujours intéressants. Ils s'élèvent à 35 % pour les BNC, à 70 % pour les activités de vente et de fourniture de logement et à 50 % pour les autres BIC [bénéfices industriels et commerciaux], artisans et commerçants"
http://www.lentreprise.com/article/6.370.1.138.html

50 % Abschlag d.h 50 % zu Versteuerndes Einkommen (BIC)
sind i.d.R für einen allein arbeitenden Handwerker o.k.
(Der höchstsatz liegt hier aber auch bei 73.000 Euro pro Jahr )

Gruss Jens
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