Selbständige: Problem Krankenversicherung

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textspecht
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Registriert: Dienstag 27. August 2002, 13:32
Wohnort: Ardèche Sud

Donnerstag 29. August 2002, 19:54

• Situation: Sie sind selbständig in Freiberuf, Handwerk, Gewerbe, Handel, wollen Ihr kleines Personen-Geschäft von D nach F verlegen.
In D waren Sie in der Regel privat krankenversichert (PKV), haben sich von der GKV (gesetzlichen Krankenversicherung) befreien lassen. In F gilt jedoch eine gesetzliche Zwangsbeglückung in allen Sozialversicherungen, eine Befreiung wie in D ist nicht möglich.
• Folge: Sie drücken volle Beiträge für die franz. GKV ab, Ihre bisherige PKV in D ist bedeutungslos, weil an D gebunden — nicht an die EU! Im Prinzip sind Sie damit für dieselben Basis-Risiken bei doppelten Kosten doppelt versichert, ohne einen einzigen zusätzlichen Vorteil zu haben.
> Alle Beitragsvorteile, die Sie in oft langjähriger, teurer Mitgliedschaft bei der deutschen PKV zur Alterssicherung (= reduzierte Beiträge) erworben haben, sind praktisch flöten!
> Wenn Sie bei einer franz. PKV eine (praktisch fast unverzichtbare) Zusatzversichung zur franz. GKV abschließen wollen, fangen Sie ganz von vorne an — und das womöglich mit über 50 Jahren: neuer Gesundheits-Check, teure Einstiegsprämien etc. (falls man Sie überhaupt noch versichern will!).
• Hintergrund: Weder Gesetzgeber noch Versicherer haben sich inhaltlich auf mobile EU-Bürger/innen eingestellt, die nicht nur auf Malle in die Rente beißen, sondern in F (oder anderen Ländern) noch aktiv Mehrwert erzeugen wollen.
• Tipp: Versicherte der Induna/Nova und ähnlicher rein D-nationaler Companies haben da wohl ganz fett den Schwarzen Peter gezogen (so wie ich). Andere D-Companies mit Töchtern/Schwestern in F und EU (Beispiel: Axa-Colonia, Winterthur usw.) zeigen sich da unter Umständen beweglicher, um Kunden und Ruf zu wahren.
• Ziel: Versuchen Sie, Ihre langjährige PKV in D bestmöglich in eine private Zusatzversicherung zur franz. GKV umzuwandeln, ohne Ihre langjährige Anwartschaft (= eingezahltes Kapital) zu verlieren. Dealen Sie heftig mit Ihrer deutschen PKV, geben Sie sich nicht mit lauwarmen Antworten oder müden Angestellten zufrieden. SIE sind der Kunde, es geht um IHR gutes Geld, oft aus jahrzehntelangen Beiträgen!
• Salut, webmaster: Dies ist keine Werbung für oder gegen irgendeine Firma, sondern ein kostenloser Hinweis unter Kollegen, von dem mein Büro in absolut keiner Weise profitiert.

Mit besten Grüßen
Heinz-Günter Specht
Zuletzt geändert von textspecht am Donnerstag 29. August 2002, 19:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Stefan Cilimba
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Freitag 30. August 2002, 00:39

Dies ist nach meinen Erfahrungen hier völlig anders, vielleicht solltest Du in D bleiben.
Ich habe hier grade einen englischen Freund, der überlegt ein Internetkaffe zu starten, und der macht völlig andere Erfahrungen!
Der franz. Staat steckt es ihm hinten und vorne rein!
Wenn Du ein "micro" startest, also ein Kleinunternehmen, bleibst Du von einem grossen Teil der Abgaben erstmal verschont und bist trotzdem voll im franz. Krankenverssystem (welches sehr viel besser ist als das deutsche, das deutsche ist nur das teuerste in Europa) und im Rentensystem.
Man braucht auch keine Steuervorauszahlungen zu leisten.
Im übrigen helfen Vergleiche zwischen D und F auch nicht sehr viel weiter, denn das sagt ja nur, dass Du am liebsten alles wie in D haben möchtest.
Das Gejammer geht einem tierisch auf den Keks.
Ich ärgere mich schon, dass ich mich darauf eingelassen habe!
Wenn es dir hier nicht passt, dann bleib doch wo du bist, denn da ist ja alles Gold!!!!
Wenn Du hier LEBEN möchstetst, solltest du es akzeptieren wie es ist. Wenn Du etwas ändern möchtest, hindert Dich niemand daran, die franz. Staatsbürgerschaft anzunehmen, Dich in die Nationalversammlung wählen zu lassen uind die Gesetze zu ändern!
Stefan
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Stefan Cilimba
St. Jory de Chalais Perigord Dordogne
Lilo
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Samstag 31. August 2002, 00:06

ob Gejammere oder nicht, mich interessiert es ganz einfach, wie sich das mit der französischen Krankenversicherung verhält.
Muß ich mich automatisch pflichtversichern, wenn ich in F lebe? Was sind die Grundvoraussetzungen? Grundbeträge? Leistungen?
Antwort bitte ohne Polemik!
Lilo
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textspecht
Beiträge: 549
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Samstag 31. August 2002, 00:52

Zitat 001 Cilimba:
Wenn es dir hier nicht passt, dann bleib doch wo du bist...
————

Bonjour, Monsieur Cilimba,
Ihre Argumentation habe ich doch schon mal gehört... — Während des Kalten Krieges pflegte die unkritische »schweigende« Mehrheit kritische Stimmen in West-Berlin mit dem Spruch plattzubügeln: »Denn jeh doch in’n Osten, wo de hinjehörst, wenn’t dir hier nich paßt!«

Ich hoffe, das Forum besteht nicht nur aus Menschen, die schneller klugschwätzen als denken können. Vielleicht gibt es hier auch einige Umsichtige, die sich durchaus vorstellen können, daß manche Menschen vorab wichtige Fragen zu Versicherungen, zum Erb- oder Vertragsrecht zu klären haben. Nicht weil ihnen Frankreich »zu schwierig« wäre, sondern weil sie für ihre Partner, Kinder, Angehörigen weiterdenken wollen als Sie, Herr Cilimba.
Offenbar differenzieren Sie auch nicht zwischen den gesetzlichen und privaten KV-System in Europa: »Reingesteckt« kriegt’s da bestimmt keiner, wo auch immer. Solche Plattkommentare sollten Sie vielleicht zur Talkshow bei RTL anmelden, aber bitte nicht gerade als Beitrag zur sorgenvollen Diskussion in diesem Forum.

Die Fragen von Frau »Lilo« sind leider nur allzu berechtigt: Auf der Versicherungs-Ebene scheint — dezent gesagt — noch ein ziemlicher Klärungsbedarf zu herrschen. Ich arbeite selber seit geraumer Zeit an diesem Thema, habe auch schon eine offizielle EU-Verbraucherbeschwerde erwogen, weil ich hier im Verhalten nationaler Gesellschaften einen Verstoß gegen mehrere EU-Bürgerrechte sehe.
Wer selber Konkretes beizutragen hat, mag sich mit direkter eMail melden.

Gruß, Heinz-Günter Specht
Zuletzt geändert von textspecht am Samstag 31. August 2002, 01:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Michael Kuss
Beiträge: 85
Registriert: Dienstag 16. April 2002, 21:33
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Samstag 31. August 2002, 12:02

Lieber Stefan,
wir beide sind hier im Forum "Alte Hasen" und in vielen Punkten stimmen wir auch überein. Aber bei deinem o.g. Umgang mit Herrn Specht muss ich, selbst wenn du mir die Freundschaft kündigen würdest, doch feststellen, dass du in diesem Fall ein bisschen zu weit daneben gegriffen hast. Herr Specht hat hier eine sehr, sehr konkrete Situation beschrieben (die auf hunderte von uns zutreffen oder in Zukunft zutreffen wird) und dazu Fragen gestellt bzw. Hinweise gegeben. Das kann man dann nicht lapidar mit dem Hinweis abtun "Wenn's dir hier nicht passt, dann bleib' doch in Deutschland". Jeder hat das Recht, landesunterschiedliche Situationen zu beleuchten, sogar zu kritisieren und - wenn schon aktuell keine Verbesserungen möglich sind - nach Aus- oder Umwegen zu suchen. Man mag diese Art der Fragerei lieben oder nicht, man mag sogar - aus welchen Gründen auch immer - persönliche Abneigungen gegen jemand haben, aber dann hält man sich zurück und schweigt, aber man wirft ihm nicht an den Kopf, er solle sich trollen. Das erinnert mich an unselige Zeiten im Deutschland der Sechziger- und Siebziger Jahre, wenn man kritisch war, hieß es gleich "Hau doch ab in den Osten, wenn's dir hier nicht passt!" Oder heute die neuen Faschisten: "Hier wird nicht diskutiert; wem's nicht passt, soll die Fliege machen oder er kriegt eine über die Rübe!"
Lieber Stefan, das ist doch eigentlich nicht deine Art. Du hast doch immer die sachliche Info und sachliche Diskussion solchen Verbaläußerungen vorgezogen. Wollen wir nicht wieder dorthin zurück kommen und die ganze Sache als einmaligen Ausrutscher betrachten? Kann ja mal vorkommen in der Wut. Wäre mir hier im Forum mitunter genauso ergangen, wenn z.B. jemand fragt, wie er in Frankreich einen Zug zu benutzen hat, oder ob Schwule in Frankreich eingesperrt werden. Da ist mir erst die Galle übergelaufen, dann habe ich mich hingesetzt, bin auf die Fragen eingegangen und habe konkrete Antworten - mit einem Schuss Ironie - geschrieben. Was glaubst du, mit welchen Fragen ich bei mir tagtäglich bombardiert werde, z.B.: Stimmt es, dass man in einem französischen Krankenhaus schlimmer behandelt wird als in einem russischen Gulag? Komme ich in Frankreich ins Gefängnis, wenn ich eine Frau auf der Straße anspreche? Besorgen Sie mir bitte zwei Karten für Euro-Disney; wir kommen nächste Woche angereist. Teilen sie mir bitte mit, wann Samstagnachmittags ein Zug von Frejus nach Cannes fährt? Bitte fügen Sie Preisliste bei! Und, und, und...
Da kann einem schon mal der Kragen platzen. Aber Herrn Sprechts Fragen und Erfahrungen waren präzise. Eine präzise Antwort (oder einfach schweigen) wären wohl angebrachter gewesen, als der unglückliche Satz "wenns dir nicht passt, dann bleib doch in Deutschland". Uns allen, auch dir und mir und vielen anderen hat in Deutschland auch so einiges nicht gepasst und in Frankreich besser gefallen, deshalb sind wir ja nach hier "ausgewandert". Aber das ist kein Grund, hier alles schön zu finden oder schön zu färben. Was zu kritisieren ist, soll kritisiert werden. Und das bürokratische Durcheinander im deutsch-französisch-europäischen Versicherungssektor ist zu kritisieren.
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Michael Kuss
tine
Beiträge: 24
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Samstag 31. August 2002, 17:11

Ouuuuhlà,
das schaukelt sich aber zeitweise ganz schön hoch hier!
Also auch wenn mich zwischendurch das Gefühl beschleicht, daß ich rhetorisch, intellektuell ud polemisch nicht wirklich mithalten kann erlaube ich mir jetzt trotzdem mal meinen Senf dazuzugeben.
All die Fragen und Beiträge von Herrn Specht habe ich aufmerksam und interessiert verfolgt.
Interessant fand ich aber auch wie sich das ganze dann so hochschaukelt. Nicht das ich konfliktscheu wäre aber die Reaktionen fand ich teilweise schon etwas überzogen.
Und wir alle, die wir Frankreich so sehr lieben, und gerade auch die Lebensart und die Mentalität der Menschen, sollten uns vielleicht dann und wann ein Scheibchen abschneiden.
Kritik ist o.k. , Temperament auch aber dann vielleicht ein bissl mehr von:
Vivre et laisser vivre !!

chrisTine

P.S.:Wenn alles klappt bin ich auch ab Oktober im Gard und ich freue mich zu hören, daß ich nicht allein sein werde... :-)
Und wie ich das mit meiner Krankenversicherung machen werde weiß ich trotzdem immer noch nicht...
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Michael Kuss
Beiträge: 85
Registriert: Dienstag 16. April 2002, 21:33
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Samstag 31. August 2002, 19:59

Hallo Tine,
Ihre Bemerkung "vivre et laisser vivre" ist natürlich lieb und süß, sie entspricht auch größtenteils unserem hiesigen Lebensgefühl und Sie, lieb Tine, sind ersichtlich auch immer auf Ausgleich bedacht. Andererseits ist es aber naiv zu glauben, dass sich kritikwürdige Lebensumstände, wie z.B. das deutsch-französisch-europäische Versicherungswesen, mit friommen Lebensweisheiten lösen lassen. Mitunter muss auch mal Tacheles geredet werden. Dann gibts Klarheit und die Sache ist erledigt.
Zu Ihren Versicherungsfragen: Wenn Sie als "Touristin" kommen, also sich nicht fest in Frankreich anmelden und hier nicht arbeiten, dann bleiben Sie i.d.R. in Deutschland weiter pflichtversichert und bekommen - auf Ihre Anfrage - von Ihrer deutschen Krankenkasse den E 111 mit; damit können Sie im EU-"Ausland" medizinische Hilfe beanspruchen (die trotzdem von Ihnen erst bezahlt werden muss und später - auf Ihren Antrag - von der deutschen Kasse zurückerstattet wird). Wenn Sie aber fest nach Frankreich kommen um hier zu arbeiten, dann verlangen die französischen Behörden, bevor man Ihnen eine Carte de Sejour gibt, eine Krankenversicherung. Arbeiten Sie im Angestelltenverhältnis in F., dann sind Sie darüber versichert (Achtung: Diese Pflichtversicherung deckt nur etwa 65 % der Kosten ab; normalerweise wird eine zusätzliche Privatversicherung "empfohlen", um die 100 % abzudecken udn bei Krankheit keine Einbuißen zu haben, denn es gibt in Frankreich keine Lohn- oder Gehaltsfortzahlung - außer bei VIP's, wenns im Arbeitsvertrag vereinbart ist -, sondern nach drei Ausfalltagen geht die gesetzliche und/oder private Krankenkasse in Leistung). Arbeiten Sie freiberuflich-selbstständig, müssen Sie sich privat versichern.
So einfach ist das, und doch so kompliziert, denn dazwischen liegen eben die französishen Behörden (und teilweise auch noch die deutschen Kassen), und da beginnen die Probleme, die man mit "vivre et laisser vivre" alleine nicht mehr abtun kann.
Liebe Grüße
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Michael Kuss
tine
Beiträge: 24
Registriert: Freitag 19. April 2002, 14:35
Wohnort: Rheingau

Sonntag 1. September 2002, 12:56

Hallo Michael,
ich wollte die Diskussion nicht abwürgen, sagte glaube ich auch, daß ich die Beiträge sehr interessant finde.
"Vivre und laisser Vivre" bezieht sich ganz bestimmt nicht auf das Krankenkassenproblem, sondern auf die Art und Weise wie hier teilweise miteinander gesprochen und über Personen geurteilt wird.
Vielleicht bin ich auch zu harmoniesüchtig...
Aber nichts für ungut, danke nochmal für die "Kompaktversion", zur Krankenkassenproblematik.
Viele Grüße
(Fragen-)tine ;-)
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textspecht
Beiträge: 549
Registriert: Dienstag 27. August 2002, 13:32
Wohnort: Ardèche Sud

Sonntag 1. September 2002, 14:40

Bonjour,

allein die Liebe zu Frankreich hilft niemandem weiter, wenn er im Krankheitsfall unzureichend versichert ist. Für Angestellte, die zuvor in einer deutschen gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) waren, ist es in der Regel kein Problem, neben der französischen GKV eine Zusatzversicherung abzuschließen (siehe oben, 006, Michael Kuss).

Hier geht es — in meinem Ausgangsbeitrag auch deutlich bezeichnet — um die Versicherungsproblematik von SELBSTÄNDIGEN, die sich in der Regel zuvor in Deutschland privat versichert haben (PKV). Bei Bedarf nochmal unter 000 nachlesen.

Ich hatte angenommen, in diesem Forum auch andere Selbständige anzutreffen, die dieses Problem für sich bereits lösen mußten und ggf. den einen oder anderen sachlichen Hinweis dazu haben.

Für emotionale Diskussionen gibt es doch genügend andere Bereiche und Möglichkeiten.

Mit freundlichen Grüßen
Heinz-Günter Specht
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