Deutsch-franz. Ihk: Honorar oder Geldstrafe?

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textspecht
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Dienstag 24. September 2002, 16:28

Fax von der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer in Paris: "...müssen wir für Auskünfte, die den Rahmen einer Kurzauskunft überschreiten, leider Gebühren erheben. In Ihrem Fall würden wir 3 Stunden veranschlagen, bei einem Stundensatz der Rechtsabteilung von 76,- Euro für Mitglieder bzw. 128,- Euro für Nicht-Mitglieder. — ..."

Ein Stundensatz von 128,- Euro? Da müssen die Berater aber extrem gut sein. Doch gerade daran habe ich nun gewisse Zweifel. Denn die Frage, zu deren Beantwortung die Kammer drei Stunden veranschlagt, lautete schlicht: Gibt es in Frankreich besondere Auflagen oder Vorbedingungen, damit ein kleines Werbe- und PR-Büro (SARL=GmbH) auch Agenturgeschäfte wie Anzeigenschaltung usw. betreiben kann ?
Ich erinnere mich dunkel, daß es vor 20 Jahren in Frankreich diesbezüglich Beschränkungen gab, weil der Staat am liebsten überall den Daumen drauf (und die offene Hand drunter) halten wollte.

Logisch, daß Expertenrat Geld kostet. Aber 384 € oder 2.500 FF für die Beantwortung einer simplen Routinefrage? Das ist kein Honorar mehr, das ist meines Erachtens eine ausgewachsene Geldstrafe für die Naivität, sich von einer IHK überhaupt praktische Hilfe zu erhoffen. Wann hören andere offizielle Stellen in D und F endlich damit auf, bei Wirtschaftsanfragen mehr oder minder kommentarlos auf die "Zuständigkeit" der Deutsch-Französische IHK in Paris zu verweisen, die dann ihrerseits die Hand aufhält?
Die Freizügigkeit von Bürgern und Unternehmen in der EU impliziert das Recht auf kostenlosen Rat in Grundsatzfragen.
Heinz-Günter Specht
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Stefan Cilimba
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Dienstag 24. September 2002, 16:51

Hallo, ich habe die gleichen Erfahrungen gemacht und kann nur nochmal den Hinweis auf den lokalen Steuerberater wiederholen.
Stefan
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Stefan Cilimba
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textspecht
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Dienstag 24. September 2002, 23:29

Salut, Stefan Cilimba,
klar, der lokale Steuerberater ist im praktischen Alltag durch nichts zu ersetzen (außer durch einen noch besseren Steuerberater vor Ort). Da gehe ich mit Ihnen komplett condom und chloroform, oder wie man da sagt.
Wenn es aber um größere Umsätze (nicht Gewinne...) und die vertragliche Sicherheit für Auslandskunden geht, muß vorab ein Mindestmaß an Sicherheit garantiert sein, das der freundliche Berater in der Provinz oft nicht garantieren kann, weil er zum ersten Mal in seinem Berufsleben mit dieser Frage konfrontiert und damit selber unsicher ist.
Bei einer Werbeagentur laufen leicht Riesenbeträge durch die Bücher, mit denen die Kunden ihre Anzeigen (100.000 € sind da so gut wie nix). Was der Agentur davon unterm Strich bleibt, ist nicht gerade üppig. Uns geht es im Moment darum herauszufinden, ob sich das überhaupt lohnt (in D hat war das nicht der Fall).
Unabhängig davon: Ich empfinde das Verhalten der offiziell empfohlenen AHK (Auslands-Handelskammer) als üble Abzocke.
Mein versierter deutsch-französischer Steuer- und Unternehmensberater drüben in Mulhouse (wir leben derzeit noch bei Freiburg/Breisgau) nimmt 80,-€/Stunde und hat uns schon nach 30 Minuten Erstgespräch eine sehr gute Basislösung genannt. Ohne zuvor oder danach gleich die Hand aufzuhalten.
Und ich denke, da liegt der Schlüssel: in der vertrauenswürdigen Beratung, die wir alle aber zunächst einmal von den offiziellen Stellen der EU verlangen müssen.
Denn wir sind es schließlich — Leute wie Sie, Kuss, wir, Bonzo mit seinem Jugend-Engagememt und Tausende andere — die Europa mit persönlichem Einsatz lebendig und reizvoll machen. Da sträuben sich mir alle Stacheln, wenn irgendwelche Bürokraten sagen, ja, für 128,- Euro/Stunde sagen wir dir nach dreistündiger Beratung auch, wie spät es gerade ist (vermutlich 17:00 H, Feierabend).
Beste Grüße aus Deutsch-Südwest ins grüne Perigord
von Heinz-Günter Specht
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Stefan Cilimba
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Mittwoch 25. September 2002, 08:39

Salut!
Ich hatte gerade gestern abend ein Gespräch mit dem Freund, der sich in der Computerberatungsbranche selbstständig machen will (Internetcafe ist gestorben).
Der hatte ein Treffen mit einem Berater vom Conseil Generale de la Dordogne, der ihm beim Ausfüllen all der Formulare geholfen hat und auch sonst mit Rat und Tat zur Seite steht. Ausserdem hat er noch Kontakt zum CCI in Perigueux, auch die Prefecture sowie die Greffe könnten gute Adressen sein.
Stefan
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Stefan Cilimba
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textspecht
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Donnerstag 26. September 2002, 04:17

Stefan Cilimba schrieb:
(...) Berater vom Conseil Generale de la Dordogne, der ihm beim Ausfüllen all der Formulare geholfen hat und auch sonst mit Rat und Tat zur Seite steht. Ausserdem (...) Kontakt zum CCI in Perigueux, auch die Prefecture sowie die Greffe könnten gute Adressen sein.
WOW — !
Ich kann es ja kaum fassen! Müssen wir jetzt alle unsere "geliebten" Vorurteile gegenüber der französischen Bürokratie in die graue (Restmüll-) Tonne werfen? Das wäre ja zu schön, um wahr zu sein!
Aber es ergibt schon einen Sinn: Die Instanzen in Region und Departement erkennen die Erfordernisse und Vorteile einer Geschäftsidee sicherlich oft leichter und besser als die oft überheblichen, arroganten Instanzen der oberen Ebene (habe ich den Begriff Oberamts-A***h nicht schön umschrieben?). :)

Der Aufrichtigkeit halber: Auch ich habe den Eindruck, daß sich französische Dienststellen (zumindest nach außen hin und vor allem in ländlichen Regionen) sehr um die Information ihrer Bürger bemühen und dabei sogar andere wichtige EU-Sprachen einbeziehen. Oft stärker als ich das bisher bei deutschen Dienststellen gesehen habe.
Trotzdem bleiben dabei natürlich noch etliche persönliche und detaillierte Sachfragen offen. Wenn die dann über freundliche Mitarbeiter/innen der lokalen und regionalen Dienststellen so positiv gelöst werden, wie es in Stefan Cilimbas Bericht anklingt, verliert die französische Bürokratie vielleicht einiges von ihrem Schrecken (ein Ruf, den sie sich über lange Jahre ehrlich verdient hat...).

Unabhängig davon rate ich aus eigenem Erleben und Erfahren dazu, die grundsätzlichen Gegebenheiten für eine selbständige (auch freiberufliche) Tätigkeit in Frankreich (und im Ausland allgemein) vorab höchst ausführlich mit einem qualifizierten Fachberater (internationalem Steuerberater) zu erörtern, um die künftige Geschäftssituation (auch in steuerlichen Konsequenzen) und eventuelle staatliche Limitierungen (in Frankreich nicht selten) voll und ganz zu erkennen. Gerade in den scheinbar selbstverständlichen Dingen gibt es von Staat zu Staat auch in der EU erstaunliche Unterschiede. Denken Sie nur mal daran, wo und wie Sie von Skandinavien bis Sizilien Alkohol, Briefmarken, Tabak etc. einkaufen können. Da wird schon klar, wie unklar die EU im ganz kleinen Alltag ist. Vieles, was man in Frankreich darf, ist in anderen Ländern genehmigungspflichtig. Oder auch umgekehrt: Was im Heimatland als selbstverständlich gilt, ist in Frankreich noch längst nicht "normal".

Solche Fragen, die Top oder Flop für eine komplette Geschäftsidee bedeuten können, muß man im Vorfeld klären — nicht erst, wenn man sich bereits in der
Provinz breit gemacht hat. Denn der Steuerberater in der Provinz (in Deutschland wie in Frankreich), der von Ihrem Metier, Ihrer Geschäftsidee noch nie zuvor gehört hat, ist zwangsläufig ein schwacher Berater.
Unter Fliegern und Motorradfahrern gilt der Satz: Der Fehler, mit dem du startest, kann dein letzter sein.

Gruß, Heinz-Günter Specht
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textspecht
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Donnerstag 26. September 2002, 23:14

Salut, Stefan Cilimba,
Ihr Compter-Spezi sitzt wahrscheinlich auch im "grünen Perigord", was? Schade, denn so einen könnten wir demnächst in der Ardèche verdammt gut brauchen, um das Gästehaus (PC) und meinen PR-Bauchladen (Mac) internettechnisch angemessen mit dem Rest der Welt zu verbinden.
Kann man diesen klugen Kollegen irgendwie auch per Emil erreichen und vielleicht mal ein nach ein paar Grundsätzlichkeiten befragen? Keine Sorge,
wir wollen keine mehrstündige Gratisberatung. Aber unsere Freunde und Kontakte in Fronggraisch sind da ähnlich unbedarft wie die meisten Menschen hier: "Bouff..., da ist irgendwann mal mal so ein Typ gekommen, und der hat das so gemacht, und nun drücke ich auf den Knopf, und dann bin ich im Internet..."
Oder auch nicht...
In den Läden der France Telecom wird man ähnlich gut beraten wie in den deutschen Telekom-Shops: "Ich gebe Ihnen hier mal einen Prospekt mit, da steht alles drin..."
Das Wichtigste meist nicht...
Ich warte seit einem halben Jahr auf die fest zugesagte, mehrfach angeforderte Antwort, wie es denn in unserem Entwicklungsgebiet mit ISDN oder gar DSL aussieht.
Vermutlich schlecht...
Naja, die Buschtrommeln haben wir schon eingepackt, und vermutlich werden wir noch ein Dutzend genmanipulierte Hochleistungsbrieftauben kaufen.

Beste Grüße aus Deutsch-Südwest ins grüne Perigord,
Heinz-Günter Specht
Zuletzt geändert von textspecht am Donnerstag 26. September 2002, 23:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Stefan Cilimba
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Samstag 28. September 2002, 09:28

Hallo!
Mein Freund ist Engländer. Er hat zwar meinen Computer komplett auf Deutsch eingerichtet, spricht aber trotzdem kein Wort!
Kontakt wäre nur bei Beherrschung der englischen Sprache möglich.
Wie das mit ISDN und ADSL aussieht, lässt sich leicht über die Seite von http://www.wanadoo.fr feststellen. Ob das nun gerade in irgendwelchen kleinen Dörfchen geht, lässt sich durch einen Anruf klären.
Stefan
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Stefan Cilimba
St. Jory de Chalais Perigord Dordogne
Stubenhansel
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Montag 7. Oktober 2002, 07:02

Wie das mit ISDN und ADSL aussieht, lässt sich leicht über die Seite von http://www.wanadoo.fr feststellen. Ob das nun gerade in irgendwelchen kleinen Dörfchen geht, lässt sich durch einen Anruf klären.
Stefan
Guten Morgen,
zu ADSL siehe meinen Beitrag in 'Allgemeine Frankreich-Themen'. Hier nochmals der Link, der Aufschluß darüber gibt, wo in Frankreich ADSL möglich ist.
Einen schönen Tag noch wünscht allen
Stubenhansel
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textspecht
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Dienstag 8. Oktober 2002, 01:36

Teeeeeechniiiik! Moooodeeeraaatooor!
Da stiiiiimmt was nich!

Ich bezahl hier nix, also verlange ich hier auch optimale Technik.

:D HGS
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Wolfram Gagern
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Dienstag 8. Oktober 2002, 09:35

Hier werden Sie geholfen.
Wer mit [/i][/quote] endet, sollte auch mit [quote][i] anfangen.

Gruß,
Wolfram
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